Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Brauereien International’ Category

lch war nicht das erste Mal in Pilsen. Und Brauereiführungen sind für mich mittlerweile so spannend wie die Werbung zwischen Wetter und Sport im Fernsehen. Aber die tschechische Metropole Pilsen zu besuchen, lass ich mir ungern entgehen. 

Pilsner Urquell sieht sich irgendwie als Godfather of Lager. Erfinder des hellen untergärigen Bieres. Der Held heisst Josef Groll, obwohl er die magische Jahreszahl 1842 in der Brauerei nicht lange überstanden hat. Der Mann aus Bayern ist schon bald wieder heim nach Vilshofen. Die Entwicklung zur Leitmarke bei den hellen süffigen Bieren hat er dann unfreiwillig den anderen überlassen. Trotzdem hat der Bayer verdienterweise den ersten Platz in der Galerie der Helden zu Pilsen.

DSC00001

Und neben dem Brauen dieses einem tollen Bieres konzentrieren sich die Brauer aus Pilsen vor allem auf das Marketing, und auch das können sie richtig gut. Während andere internationale Marken auch auf andere stärkere, leichtere oder gar alkoholfreie Spin-Offs unter ihrem Namen setzen, bleibt das einzige Pferd im Stall der Pilsner das 12-grädige Urquell/Prazdroj. Ein Bier das sich auch international nicht verstecken muss. Daher waren neben mir noch zahlreiche Teamplayer des Konzerns aus fast allen Teilen der Erden dabei. Da lässt sich Pilsner Urquell nicht lumpen, ist die Marke doch seit Jahren ein Teil des globalen SAB Miller-Konzerns: Mama eigentlich aus Südafrika, Papa hat das Büro nun in London. Aber den Tschechen lässt man ihre Eigenheiten und vergisst dabei marketingtechnisch nicht, die Traditionen – respektive das Handwerk ganz dick zu unterstreichen. Oder wie es in einem Portfolio heißt: „Pilsner Urquell – Keepers of Craft“. Das klingt sympathisch und wird auch perfekt

DSC00032

Da gibt es Fasslbinder, Pferdekutschen und Kellergärung im offenen Holzfass. Verkostung des ungefilterten Pilsners im unterirdischen Schellander inklusive. 2 Tage hintereinander trinken oder verkosten wir bei fast jeder Gelegenheit Pilsner Urquell: Zur Begrüßung, vor, während und nach der Führung, im Hotel, in den besten Gaststätten der Stadt, bei der Hopfenernte, beim Ausschankkurs oder auch bei der Blindverkostung.

DSC00061

Gut, da hat man es den Teilnehmern nicht zu schwer gemacht. Zwei kräftige tschechische Biere mit Charaktern zwei internationalen Mainstream Bieren gegenüberzustellen, hat ziemlich klare Ergebnisse gebracht. Gerade die Biere aus Benelux hatten viele Challenger vertauscht. Irgendwann war es aber auch genug mit Bier, so durfte es beim Abendessen und der klassischen Spezialität des Beef Tartare auch mal Wein und Wasser sein.

IMG_9202

Was aber auch in der Hochburg des Pilsner Bieres nicht gänzlich vorbeigeht, ist die Craft Bier Szene. Für eine Stadt mit gerade mal 165.000 Einwohnern gibt es in Pilsen überraschend viele Craft Bier Hot Spots. Gleich nahe dem Bahnhof gibt es mit dem Dům vína eine Vino- & Pivothek. Liegt hier die Konzentration schon noch eher auf Weinen (ich hatte allerdings nur Augen für die beiden Kühlschränke und Regale mit den regionalen Klein- und Craftbrauern), so gibt es im Brewhamian-Shop in der Altstadt ein tolles internationales Sortiment. Die Klassiker aus US- und Europa stehen dort neben heimischen Craftlabels, allen voran die in der Stadt schon stark präsente Marke Permon aus dem nahegelegenen Sokolov.

brewhemian

Mit dem Shop verbunden ist auch das Cafe Francis am Platz der Republik/namesti republiky 3. Hier gibt es neben dem Pilsner Urquell auch tschechische Kleinbrauereien vom Fass und neben Craft Bieren auch einen Kühlschrank voll mit belgischen Bierperlen. Fast schon versteckt ist da dann der Bierklub Maloch Pivovar, in einer kleinen Seitengasse gerade mal 120 m vom imposanten Tor der Pilsner Urquell Brauerei entfernt.

DSC00200

8 Fassbiere von Kleinbrauereien werden hier frisch gezapft, gerade mal das belgische Kasteel Rouge war Importware. Die Kühlschränke biegen sich mit zahlreichen Craftbieren und Cider, die Wände sind voll mit Bier- und Fussballdevotionalien. Ist man von der Fassade und dem Eingang noch etwas abgeschreckt, so findet sich innen ein sehr angenehm gemischtes Publikum aus Bierfreunden.

DSC00209

An die Preise muss man sich aber erst gewöhnen. Für 0,3 lt Permon Hopper IPA, 0,2 lt Kasteel Rouge, eine Flasche Anchor Old Foghorn Barley Wine und ein abschliessendes Glas Becherovka musste ich 175 czk löhnen, das sind keine 10 Euro. Pilsen, du Stadt mit dem goldenen Lager, der tollen (Bier-)Kultur und den vielen kleinen feinen Lokalen, wir sehen uns hoffentlich bald wieder.

 

 

 

Advertisements

Read Full Post »

Eine Gruppe von Craftbrewern, BrewPub-Besitzern und Beerfest-Organisatoren aus Georgia macht einmal im Jahr eine gemeinsame Reise nach Europa. Diesen Februar besuchen sie Deutschland, Österreich und die Tschechische Republik. Im Wiener Lokal 1516 Brewing Company brauten sie sogar einen Sud ein.

DSC04598

Eine fidele Gruppe aus 27 Bierenthusiasten hat diesmal den Weg über den Atlantik genommen. Nachdem man im vergangenen Jahr kleine Brauereien in Schottland und England besucht hat, begibt man sich zu den Wurzeln der Lagerbiere und plante Stopps in München, Wien, Pilsen und Prag. Owen Ogletree, der Organisator der Reise hat beste Kontakte zur europäischen Brewpub- und Craftbeerszene, ist er doch selber Judge beim CaskAleFestival UK.

DSC04616

Durch die Auswahl der im 1516 Brewing Company gebrauten Biere galt es sich zunächst schon durchzukosten. Das war trotz der frühen Stunde kurz vor Mittag ein Vergnügen. Hier wurde diskutiert, verglichen, bewertet … aber in erster Linie genossen.

DSC04588

Für uns und ein paar andere ausgewählte Journalisten und Bierfreunde waren es sehr anregende Gespräche. Informativ vor allem der aktuelle Stand der Craftbeerszene in Georgia und die aktuellen Trends, die ja wie immer mit etwas Verzögerung auch in Österreich ankommen werden.

DSC04615

Brian „Spike“ Buckowski von der Terrapin Beer Company in Athens braute hier auf der Anlage des 1516 einen Sud Terrapin Rye Pale Ale ein, den das Team des Wiener Brew Pubs in einigen Wochen dann ausschenken wird. Kooperationen, Austausch und Zusammenarbeit prägen die Craftbeerszene in den Staaten und gedeihen mittlerweile auch in Europa wie eine aufstrebende Hopfenranke. Besonders interresant war der Austausch mit den Organisatoren von Beerfestivals. Alan Raines vom Hotoberfest kauft als Organisator selber diverse gebrauchte Holzfässer aus Destillerien zu und füllt Biere der Festivalteilnehmer vorab zur Lagerung ein. Diese werden dann erst am Festival von den VIP Gästen (es gibt spezielle Tickets, mit denen man Zugang zu den Raritäten bekommt) verkostet.Bob Sandage, Besitzer des Brewpubs Wrecking Bar in Atlanta organisiert jährlich das Strong Beer Festival. Hier werden nur Biere ab 8 % Alkohol ausgeschenkt.

DSC04619

In wenigen Wochen wird das Terrapin Rye Pale Ale aus den Leitungen des Wiener Brewpubs fliessen. Spätestens dann kommen wir zurück auf ein paar Gläser.

Read Full Post »

Mit seiner jahrhundertealten Braugeschichte unter verschiedensten Fahnen und einer Marktpräsenz in 55 Ländern zählt die böhmische Brauerei sicher zu den Weltmarken. Vor 171 Jahren beglückte man die Welt mit dem hellen Bier nach Pilsener Brauart. Nur rüstet man mit voller Craft für die Zukunft.

Pilsen1

Ob der Sud des Vilshofener Braumeisters Josef Groll am 5.Oktober 1842 nur ein Versuch war, oder er schon wusste, daß ihm damit für seinen neuen Arbeitgeber, im neu errichteten bürgerlichen Brauhaus in Pilsen, der große Wurf gelingen würde ist mir nicht wirklich bekannt. Als das Bier wenige Wochen später, zum Martinitag angeschlagen wurde, war aber bald klar, daß man damit eine Revolution losgetreten hatte.

Das bürgerliche Brauhaus in Pilsen 1842

Das bürgerliche Brauhaus in Pilsen 1842

Eigentlich wurde Groll aus der Brauerei in Vilshofen geholt, um den so beliebten bayrischen Bierstil (ein dunkles  Bier) zu brauen. Aber in Böhmen erkannte er die Möglichkeiten, mit dem weichen Wasser, dem nicht zu bitteren Saazer Hopfen und einem hellen Malz ein untergäriges Bier zu brauen, das in seiner Farbe als golden bezeichnet werden konnte. Dieser Biertyp trat aus Pilsen seinen weltweiten Siegeszug an. Während Josef Groll schon nach 3 Jahren Pilsen wieder verlassen musste – er galt als unguter Kerl und Raufbold – blieb das Rezept im bürgerlichen Brauhaus, wurde aber weltweit kopiert. Das Wort Pils konnte man sich nicht mehr schützen lassen, aber mit der Markeneintragung von 1898 als Pilsner Urquell konnte man die Originalität des Namens festhalten.

Pilsen3

2013 steht die Brauerei vor großen Herausforderungen. Mittlerweile ist die Pilsner Brauerei gemeinsam mit tschechischen Brauereien und Marken wie Velkopopovicky Kozel, Gambrinus, Radegast im Besitz von SABMiller. Der Heimmarkt in Tschechien, mit fast 140 Litern Bierverbrauch pro Kopf noch immer Konsumationsweltmeister, sinkt drastisch und am weltweiten Markt steht man im beinhartem Wettbewerb zu anderen Big Playern. Zudem kommen da auf vielen Märkten die neuen frischen Craftbrewer dazu, die vor auch den großen Importbieren Konkurrenz machen. Wo wird sich Pilsner Urquell also positionieren?

Braumeister Vaclav

Braumeister Vaclav Berka

Auch Braumeister Vaclav Berta setzt auf die Tradition der Brauerei, insbesondere auf das 171 Jahre alte Rezept. Noch heute möchte er mit den selben Zutaten wie Josef Groll brauen. „Pilsner Urquell schmeckt heute wie vor 30 Jahren!“ Soviel kann Berta selber bezeugen. „Und mein Vater bestätigt mit seinen 84 Jahren noch längere Konstanz!“ Warum soll man eine Rezeptur auch verändern, wenn darauf die komplette weltweite Sortimentsvielfalt von untergärigen hellen Bieren aufbaut. Und das will man in Zukunft auch noch unterstreichen. Auf die Frage des DRAFT-Magazins anlässlich des letztjährigen Braujubiläums zu seiner Beziehung zu Homebrewern sagte Vaclav Berka: „Die Brauerei ist mein zweites zu Hause! Meine Antwort ist also einfach: Ich bin ein Hausbrauer!“

Sogar im Kontext der Craftbrewer möchte man in Pilsen eine Rolle spielen. Hier nimmt man ganz frech Paul McCartney als Vergleich her: Im Musikbereich ist Paul quasi ein Original, die Quelle vieler Inspiration. Respektiert von allen jungen Musikern – und noch immer im Geschäft. Pilsner Urquell als der Macca des Brewing Business? Oder in den Worten eines schweizer Kräuterzuckerlproduzenten: „Wer hat’s erfunden?“. Die Tschechen haben ihre Rolle offenbar gefunden.

DSC02963

Aber der Ruf alleine macht noch kein gutes Geschäft aus, so setzen die Pilsener Brauer auf neue innovative Konzepte. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Positionierung in der Gastronomie. Tankbier ist hier ein neues Schlagwort geworden. In ausgesuchten Premiumlocations soll Pilsner Urquell direkt aus dem Tank gezapft werden. Das frische Bier ist nicht pasteurisiert, die Kühlkette zwischen Brauerei und Abgabestelle wird nicht unterbrochen und aus dem Tank wird es ohne zusätzliche Kohlensäure direkt in das Glas gezapft. Frischer kann es höchstens aus dem Bierkeller in Pilsen schmecken! „Aus Studien der Brauerei“, sagt Countrymanager Wolfgang Hinterdobler, „hat man erkannt, daß um fast 20% mehr Bier getrunken wird, wenn die Fässer oder der Tank sichtbar sind!“ In den Lokalen werden die Tanks also vorzugsweise für den Gast sichtbar installiert. Oft werden sie hinter dicken Glaswänden als Tresen- oder Thekeninstallation verwendet.

IMG_2814

Biertank in die Bar der Szenekneippe „Local“ in Prag integriert.

In Österreich gibt es bereits einige Tankbierlokale: Im Sommer startete das Lokal ZATTL in der Wiener Innenstadt, nach der Estancia Santa Cruz im Wiener Prater ist nun auch das Propeller in Graz dazugekommen, wo die Tanks großartig inszeniert ins Lokalambiente eingebaut wurden.

PilsnerPropellerGraz

Pilsner Urquell-Tank im Lokal Propeller, Graz

„Die ganze Welt soll Pilsner Urquell trinken können“, meint der sympatische Braumeister Vaclav Berka, der auch in Prag von diversen Bierplakaten lächelt. Die Kapazitäten des weichen Pilsner Brauwassers werden erst zu 60 Prozent genutzt. An die Brauerei ist ein gut gestaltetes Museum angeschlossen, deren Highlight mit Sicherheit der historische Braukeller ist. Auch im Museum träumt man in einer Präsentation vom weltumspannenden Biermarkt. Dort heisst es: „Vom Äquator bis zu den Polen!“ Und damit sind wohl nicht nur die östlichen Nachbarn gemeint.

Read Full Post »

Man möchte es nicht glauben. Plattenseeauf- und abwärts findet man fast nur noch Biere aus Industriebrauereien. So charmant die Labels auch aussehen, im Kleingedruckten steht dann doch irgendwo Heineken (wie zB beim Soproni) oder AB InBev (wie beim Borsodi).

Aber ähnlich dem kleinen gallischen Dorf in den Asterix Heften, hab ich noch einen Platz gefunden, wo es handwerklich gebrautes Bier gibt. Und ja – es schmeckte auch.

DSC08887

Ich hab mich eigentlch für das Stari Premium Pils entschieden, mit seinen 5,4 % Alkohol für ein Pils schon sehr kräftig, aber doch auch mit einer sehr hopfigen Note. Mit 600 HUF (knapp über € 2) für 4 dl liegt das Bier aber dann etwas über den ungarischen Verhältnisse. Der 5 dl kosten zumeist um die 550 HUF.

Das Stari Plum ist ein mit 30 % Zwetschkensaft versetztes Bier, daß mir für einen Radler etwas zu bitter daherkommt. Mit 3,3 % Alc aber vielleicht eine erfrischende Alternative für die Radfahrer.

Die Brauerei selber dürft einem Gasthaus im nahen Tapolca angeschlossen sein, vielleicht ein Stopp auf meiner nächsten Radtour.

DSC08850

Das Bisztro Malacrumpli liegt direkt am Radweg von Tihany am Stadtrand von Balatonfüred, dort wo die Stadt langsam dicht wird, nahe des Tesco-Kreisverkehrs. Die Räumlichkeiten waren früher wohl das Portal eines aufgelassenen Campingplatzes. Im Bistro wird täglich von 12-24.00 Essen aus regionalen, zumeist Bio-Produkten gekocht. Jeden Samstag findet am Gelände auch BioBalaton statt, ein Markt für handwerkliche und regionale Produkte aus großteils biologischem Anbau.

Brauerei/Gasthaus Stari in Tapolca/HUN

BioBalaton Blog

Read Full Post »

Schönes neues Vital der schottischen Punk-Craft-Brewery:

Read Full Post »

Für Irland hat man uns viel handwerkliches versprochen. Lebensmittel in erster Linie aber auch viele Craftbeers. Finden kann man sie aber nicht so leicht.

In der Hauptstadt Dublin habe ich zentral zwei schöne Shops gefunden, die eine breite Auswahl an handwerklichen Bieren und auch Cider führen. In den Pubs war das nicht so einfach, hier fand man ab und an vielleicht etwas von den etwas größeren als Craftbeer geltenden Brauereien, so zB Ales von O’Hara, die man mittlerweile sogar schon in Österreich und Deutschland finden kann. Die Website der BEOIR hat mir zwar einige Plätze verraten, die zu finden war ein anderes. 

Interessiert hat mich aber, was ich in den kleinen Orten abseits der großen Touristrouten finde. Ein Stop in Augrihm in Mitten der Wicklow Mountains war dann ziemlich ernüchternd. Im lokalen Pub The Lawless, in dem man übrigens auch sehr gutes Barfood bekommt, 

IMG_1045

 

An zwei Zapfsäulen gab es eine breite Auswahl an Bieren, doch ein genauer Blick enttäuschte mich sehr: Anstelle von lokalen Bieren oder Craftbeers aus der Region gab es ausschliesslich Einheitsware aus internationalen Industriebrauereien. Neben den heimischen Größen Guinness Stoßt, Smithswick’s Ale gab es das schottische Tennents, das englische Carling, die amerikaner Budweiser und Coors sowie Carlsberg und Tuborg aus Dänemark. Natürlich entsprechen die Nationen nur der Markenherkunft, gebraut wird vermutlich eh fast alles am selben Standort. Armes Aughrim, daß man sich damit abfindet.

Read Full Post »

the-very-many-varieties-of-beer

Read Full Post »

Older Posts »