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lch war nicht das erste Mal in Pilsen. Und Brauereiführungen sind für mich mittlerweile so spannend wie die Werbung zwischen Wetter und Sport im Fernsehen. Aber die tschechische Metropole Pilsen zu besuchen, lass ich mir ungern entgehen. 

Pilsner Urquell sieht sich irgendwie als Godfather of Lager. Erfinder des hellen untergärigen Bieres. Der Held heisst Josef Groll, obwohl er die magische Jahreszahl 1842 in der Brauerei nicht lange überstanden hat. Der Mann aus Bayern ist schon bald wieder heim nach Vilshofen. Die Entwicklung zur Leitmarke bei den hellen süffigen Bieren hat er dann unfreiwillig den anderen überlassen. Trotzdem hat der Bayer verdienterweise den ersten Platz in der Galerie der Helden zu Pilsen.

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Und neben dem Brauen dieses einem tollen Bieres konzentrieren sich die Brauer aus Pilsen vor allem auf das Marketing, und auch das können sie richtig gut. Während andere internationale Marken auch auf andere stärkere, leichtere oder gar alkoholfreie Spin-Offs unter ihrem Namen setzen, bleibt das einzige Pferd im Stall der Pilsner das 12-grädige Urquell/Prazdroj. Ein Bier das sich auch international nicht verstecken muss. Daher waren neben mir noch zahlreiche Teamplayer des Konzerns aus fast allen Teilen der Erden dabei. Da lässt sich Pilsner Urquell nicht lumpen, ist die Marke doch seit Jahren ein Teil des globalen SAB Miller-Konzerns: Mama eigentlich aus Südafrika, Papa hat das Büro nun in London. Aber den Tschechen lässt man ihre Eigenheiten und vergisst dabei marketingtechnisch nicht, die Traditionen – respektive das Handwerk ganz dick zu unterstreichen. Oder wie es in einem Portfolio heißt: „Pilsner Urquell – Keepers of Craft“. Das klingt sympathisch und wird auch perfekt

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Da gibt es Fasslbinder, Pferdekutschen und Kellergärung im offenen Holzfass. Verkostung des ungefilterten Pilsners im unterirdischen Schellander inklusive. 2 Tage hintereinander trinken oder verkosten wir bei fast jeder Gelegenheit Pilsner Urquell: Zur Begrüßung, vor, während und nach der Führung, im Hotel, in den besten Gaststätten der Stadt, bei der Hopfenernte, beim Ausschankkurs oder auch bei der Blindverkostung.

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Gut, da hat man es den Teilnehmern nicht zu schwer gemacht. Zwei kräftige tschechische Biere mit Charaktern zwei internationalen Mainstream Bieren gegenüberzustellen, hat ziemlich klare Ergebnisse gebracht. Gerade die Biere aus Benelux hatten viele Challenger vertauscht. Irgendwann war es aber auch genug mit Bier, so durfte es beim Abendessen und der klassischen Spezialität des Beef Tartare auch mal Wein und Wasser sein.

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Was aber auch in der Hochburg des Pilsner Bieres nicht gänzlich vorbeigeht, ist die Craft Bier Szene. Für eine Stadt mit gerade mal 165.000 Einwohnern gibt es in Pilsen überraschend viele Craft Bier Hot Spots. Gleich nahe dem Bahnhof gibt es mit dem Dům vína eine Vino- & Pivothek. Liegt hier die Konzentration schon noch eher auf Weinen (ich hatte allerdings nur Augen für die beiden Kühlschränke und Regale mit den regionalen Klein- und Craftbrauern), so gibt es im Brewhamian-Shop in der Altstadt ein tolles internationales Sortiment. Die Klassiker aus US- und Europa stehen dort neben heimischen Craftlabels, allen voran die in der Stadt schon stark präsente Marke Permon aus dem nahegelegenen Sokolov.

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Mit dem Shop verbunden ist auch das Cafe Francis am Platz der Republik/namesti republiky 3. Hier gibt es neben dem Pilsner Urquell auch tschechische Kleinbrauereien vom Fass und neben Craft Bieren auch einen Kühlschrank voll mit belgischen Bierperlen. Fast schon versteckt ist da dann der Bierklub Maloch Pivovar, in einer kleinen Seitengasse gerade mal 120 m vom imposanten Tor der Pilsner Urquell Brauerei entfernt.

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8 Fassbiere von Kleinbrauereien werden hier frisch gezapft, gerade mal das belgische Kasteel Rouge war Importware. Die Kühlschränke biegen sich mit zahlreichen Craftbieren und Cider, die Wände sind voll mit Bier- und Fussballdevotionalien. Ist man von der Fassade und dem Eingang noch etwas abgeschreckt, so findet sich innen ein sehr angenehm gemischtes Publikum aus Bierfreunden.

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An die Preise muss man sich aber erst gewöhnen. Für 0,3 lt Permon Hopper IPA, 0,2 lt Kasteel Rouge, eine Flasche Anchor Old Foghorn Barley Wine und ein abschliessendes Glas Becherovka musste ich 175 czk löhnen, das sind keine 10 Euro. Pilsen, du Stadt mit dem goldenen Lager, der tollen (Bier-)Kultur und den vielen kleinen feinen Lokalen, wir sehen uns hoffentlich bald wieder.

 

 

 

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ZIPFER ließ das Team der Tagespresse einen nicht ganz ernst gemeinten Artikel verfassen, der 40.000 Mal geklickt wurde

Dass Werbung nicht immer bierernst sein muss, beweist Zipfer mit seiner aktuellen Aktion auf dem Satireportal die DiETAGESPRESSE. Die Agentur Performics entwickelte für die Biermarke eine ungewöhnliche Werbeform und setzt dabei auf die scharfe Feder der DiETAGESPRESSE-Redaktion: Unter dem Titel „Forscher finden Wundermittel gegen Affären bei Betriebsfeiern“ beschäftigt sich der von der Redaktion verfasste Artikel mit den Vorteilen von „Zipfer Hell Alkoholfrei“. Die Fake-Studie nimmt die Auswirkungen von Alkohol auf Betriebsfeiern unter die Lupe und schreibt beispielsweise: „Regelmäßige Teilnehmer an Betriebsfeiern kennen die typischen Symptome nur zu gut: schon kurz nach Beginn kommt es zu Bewusstseinsstörungen und starken Enthemmungserscheinungen. Nicht selten kann dies bis hin zu unerwünschten Affären mit Kolleginnen oder Kollegen führen. Am nächsten Tag gehen die Symptome über in unerträgliche Kopfschmerzen, Schamgefühle und wütende SMS vom Partner.“

Insgesamt wurde die kreativ verpackte Werbung für den alkoholfreien Biergenuss 40.000 Mal geklickt und rund 700 Mal auf Social Media geteilt. Das YouTube-Video, das ebenfalls im Artikel eingebettet ist, hat knapp 130.000 Klicks.

Hier ist der komplette Artikel

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Fränkisches Bier ist etwas ganz besonderes. Nirgendwo in der Welt ist die Brauereidichte noch so groß und kann sich beständig gegen die Brauriesen behaupten. Sicherlich liegt das auch am Stolz der Franken auf ihr Bier. Als am letzten Wochenende in Bayreuth bei einer Großveranstaltung über die gesamte Innenstadt das Bier des Sponsors Radeberger ausgeschenkt wurde, blieben die Bierstände ziemlich unterlaufen. Angestammte Gaststätten am Rande des Marktplatzes machten mit ihren Kühlgeräten im Biergarten jedoch das große Geschäft.

Was aber auch auffällt: Die vielen kleinen, teilweise noch dörflich und in Kommunen strukturierten Brauer konzentrieren sich voll auf das Bier. Und pfeiffen vollkommen auf so Dinge wie Kommunikation und Marketing. Die Gewissheit, daß man in der Region ohnehin dieses Bier trinkt, lässt dann leicht auf innovative Flaschendesigns oder moderne Etikettengestaltung verzichten. Brauchen die meisten ja auch nicht, und in die überregionalen Regale der Supermarktketten will bzw kommen diese kleinen, lokalen Brauereien ohnehin nicht.

Aber jetzt mal ehrlich – und diese Frage richtet sich nun mal vor allem an gewöhnliche Biertrinker ausserhalb Frankens: Welche fränkischen Biermarken kennen sie? Ich habe diese Frage insgesamt 30 Menschen in München, Berlin, Linz und Wien gestellt. Ein Drittel der Befragten (im Rahmen von Bierveranstaltungen) nannten das Schlenkerla (Bamberg), zwei Nennungen gab es jeweils für Maisel (Bayreuth) und Tucher (Nürnberg). Der Rest war falsch (zB Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz). Überraschend viele Befragte erwischte ich bei der Überlegung, welche Fußballvereine es denn dort gäbe und was auf deren Dressen denn stehe.

Ganz anders kommt da plötzlich eine Biermarke daher, die ich in einem flotten Geschenkkarton mit 2 kleinen Flaschen und einem gebrandetem Glas zum Geburtstag geschenkt bekommen habe: St.ERHARD.

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Das erste was mir auf der Website des Bieres auffällt, ist der Kommentar „Bekannt aus FINANCIAL TIMES, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, SPIEGELONLINE, THE HINDU“. Die Website besticht auch durch die Sprachauswahl und natürlich das Design. St.Erhard ist ein 2011 gegründetes StartUp und möchte eine internationale deutsche Biermarke aufbauen. Das Bier lässt man in       in der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf, fast 30 km ausserhalb von Bamberg brauen, die Entwicklung der Marke kann man auch auf dem eigenen Blog Beerpreneur verfolgen.

Mittlerweile hat Gründer und Geschäftsführer Christian Klemenz auch das Einzelhandelskonzept Bierothek an den Start gebracht. Nach dem Standort Nürnberg werden demnächst 2 weitere Filialen (u.a. auch in Erlangen) eröffnet. Was uns sehr überrascht: Das Bier wird als Kellerbier bezeichnet, meines Erachtens ein unfiltriertes Bier, das also auch besonders empfindlich ist. Bei genauen Hinsehen entdecke ich aber jetzt: Es ist ein „filtriertes Kellerbier“, also dann eh genauso wie jedes andere normale Lagerbier. Anders könnte dieses Produkt aber auch nicht in einer weissen (!!) klaren Flasche den Transport und die lange Lagerfähigkeit (meine Flaschen halten lt bedrucktem Kronkork noch 6 Monate) bestehen.

Die klare Flasche verwirrt mich auch ein wenig, der Farbton des Bieres geht von Bernstein fasst ins kirschige hinein. Und weil das Auge ja quasi mittrinkt, habe ich beim ersten Antrunk fast das Gefühl eines englischen Shandys, also eines fruchtigen Radlers. Aber es ist ein anständiges Bier und es macht Spass. Und davon soll die ganze Welt profitieren, meinen die Gründer. Das Bier wird laut Flaschentext „in alle Welt“ exportiert, besonders Indien gilt als Zielmarkt.

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Marketing und Design kann ein Impuls sein für die fränkische Bierwelt, für mich persönlich sollten solche Biere weiterhin in 0,5 lt Flaschen gefüllt werden. Und das ist ein Kompliment für St.Erhard, denn 0,33 lt ist einfach zuwenig für ein gutes, süffiges Bier.

Die heimische Braulandschaft bewegt sich gewaltig. Nach der Konzentration der Braulandschaft in den frühen 90er Jahren, boomen zur Zeit neue Kleinbrauereien. Mit Loncium, Wimitzbräu und Shilling gibt es auch in Kärnten tolle Exponenten dieser Szene. Letzteren haben wir uns als jüngsten Braubetrieb in Kärnten mal genau angesehen.

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Die Gartenrast ob dem kärntnerischen Radenthein ist schon seit Jahren die einsame Spitze der Biergastronomie in Österreichs südlichstem Bundesland. Am Hang gelegen, zwischen den Tourismusmagneten Millstätter See und Bad Kleinkirchheim, hat Uli Bacher eine Bierkultur eingeführt, wie sie in ganz Österreich kaum zu finden ist. Der Wirtssohn war nach seiner Brauerausbildung in München einige Zeit bei der schweizer Egger-Brauerei in Worb beschäftigt, bevor er den elterlichen Betrieb übernehmen musste. Hier wurden seit jeher die gastronomische Vielfalt des Huhns hochgehalten, vom Backhenderl bis zum Hühner-Wok. Nun aber wurde auch eine höhere Sorgfalt ob der Wein- und Bierauswahl getroffen. Alle 2 Jahre organisiert Uli Bacher hier auch das Kärntner Bierfestival, die jährlichen Höchstnoten in Conrad Seidls Bierguide sind mehr als redlich verdient.

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57 Jahre lang ist Villacher Bier aus den Zapfhähnen der Gartenrast gelaufen, zuletzt begleitet von einer sensationellen Auswahl an internationalen Spezialbieren. Zumeist gab es etwa 40 an der Zahl in den gut sortierten Bierkühlschränken. Doch seit Ende 2013 läuft hier statt dem Kärntner Marktführer die eigene Marke durch die gut gepflegten Hähne. Shilling Bier, so der eigene Fantasiename, wird seitdem in den ehemaligen Busgaragen der Familie gebraut. In der Bierszene machte es den ersten Knaller, als kurz vor Weihnachten 2013 das „Weihnachtsbier“ auf den Markt kam: Ein Collaborationbrew zwischen der neuen Shilling-Brauerei und der Hofstetten-Brauerei aus dem Mühlviertel. Das Dreamteam Uli Bacher und Peter Krammer machten ja schon die Brauerausbildung gemeinsam. Das Starkbier mit 6,6% Alkohol war angelehnt an skandinavische Festtagsbiere, mit einem Hauch von Kardamon und Zimt: Die Flaschen waren sehr bald vergriffen, ein Teil des Sudes liegt aber noch in Portweinfässern in Hofstetten und wartet darauf, demnächst verkostet zu werden. Das nächste Weihnachten kommt bestimmt!

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Die Standardbiere, die auf einer 10 hl Anlage nur 100 m von der Gartenrast entfernt gebraut werden, sind aber vorrangig für den eigenen Gastrobetrieb gedacht, und werden dort auch gebraucht: 150 Sitzplätze (die sensationelle Terrasse noch nicht einbezogen) machen eine eigene Brauerei schon mal rentabel. Einige Gastronomen der Umgebung werden auch mit Fässern versorgt, an eine Flaschenabfüllung ist jedoch noch nicht gedacht. Im Moment läuft gerade das Shilling Helle, das Shilling Granat und das als Sommerbier angepriesene Pale Ale mit 4,5% aus den Hähnen. Alle 3 Biere wirklich gute Vertreter ihres Types, auch die Gläser passen perfekt.

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Was mir aber besonders imponiert hat, ist die Preispolitik bei den Spezialbieren. Ein mit 100 Ratebeer-Punkten bedachtes Abteibier namens Abt 12 aus der Brouwerij St.Bernardus in Belgien (10 % alc) wird für € 5 serviert, sogar das belgische Kwak wird in den originellen Originalgläsern mit Holzgestell um € 4 an den Tisch gebracht. Dabei wird nicht einmal vom kolportierten Brauch gebrauch gemacht, daß der Gast als Pfand einen Schuh hergeben muss. Der Aventinus Weizenbock vom Brauhaus Schneider wird in verschiedenen Jahrgängen um € 4 für den halben Liter angeboten: Ich leide ob der Tatsache, daß man hier eigentlich nur mit dem Auto herkommen kann und ich mit genau diesem wieder sicher in mein Domizil kommen möchte.

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Es sei auch bemerkt, daß die Speisen exzellent sind, die Weinkarte und ebengleich die Beratung mit der Bierkompetenz Schritt halten kann. Neben den Bieren auf der 4seitigen Spezialkarte gibt es eine erweiterte Auswahl in den Sichtkühlern zu bestaunen und ordern.

Natürlich trinkt die Mehrheit der zahlreichen Gäste noch das „Helle“. Zitate vom Nebentisch lassen mich schmunzeln: „Ich brauch keine Bierkarte, ich will ein Bier!“. Aber die Arbeit, die Uli Bacher hier oberhalb von Radenthein für die Bierkultur in diesem Land leistet, ist unbezahlbar. War der Betrieb mit seiner Auswahl und Beratung bis zuletzt auf der höchsten Bierplattform gemeinsam mit Karl Zuser im Gasthof Riedberg , Karl Schiffner in Aigen/Schlägl und Stefan Kreidl im Verde1080/Wien, so hat die Gartenrast mit den hauseigenen Shilling-Bieren nun den Gipfel des heimischen Bier-Olymp eingenommen. Die Gartenrast ist eine laaaaange Rast wert!

Gartenrast / Brauerei Shilling – Gartenrastweg 9, 9545 Radenthein

 

Ein neues Buch erzählt die Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten. Ein wunderbarer Abriss, der auch den Stellenwert von Bier und deren Produzenten durch die Jahrhunderte begleitet.

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Das Beispiel der Mozartstadt lässt sich natürlich auch auf alle anderen Städte übertragen, dennoch lässt es sich an der Salzach so gut wie kaum wo anders skizzieren. Ist Salzburg doch trotz seiner internationalen, vor allem kulturellen Bedeutung doch noch immer eine kleine, übersichtliche Stadt geblieben. Und was die Bierkultur betrifft ist Salzburg damals wie heute einfach näher am bayrischen München denn an Wien.

Die beiden Autoren sind Wissenschaftler. Ao.Univ.-Prof.DDr Gerhard Ammerer ist stv.Leiter des Fachbereiches Geschichte der Universität Salzburg und Dr.Harald Waitzbauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Salzburger Freilichtmuseum. Als Autor hat er unter anderem auch schon Bücher über „500 Jahre Salzburger Stiegl-Bier“ oder „375 Jahre Augustiner Bräu“ verfasst.

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Das vorliegende Werk ist weniger ein Buch, denn ein bebilderter Prachtband. Großformatig auf über 220 Seiten wird die Geschichte der Salzburger Wirtshauskultur vom 12.Jahrhundert bis zum heutigen Tag beschrieben. Mit vielen historischen Skizzen, Bildern und Fotos aus diversen wissenschaftlichen und privaten Archiven. Natürlich erfährt der interessierte Leser in diesem Zeitablauf auch über die Geschichte des Bieres und die Verstrickung zwischen Gastronomie, Herbergsbetrieb und Brauern.

Die Stieglbrauerei, um 1664 im Besitz des Ehepaars Gapler, die den Betrieb zu lokaler Bedeutung führten, braute zu dieser Zeit 1792 Eimer Bier pro Jahr, etwa 1000 Hektoliter. Etwa 100 Jahre später, als der Betrieb bereits im Besitz von Johann Ambros Elixhauser war, bezeugen detailierte Aufzeichnungen den Konsum der Gäste. So tranken etwa die 16 Gäste des Zunftjahrtages der Brauer und Mälzer 1782 zwischen 12 und 17 Uhr etwa 23 Liter Wein und 63 Liter Bier. Wobei uns hierbei vor allem der Wein überrascht.

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Natürlich wird auch die Qualität der angebotenen Getränke geschrieben und etwas später auch über die Spezialisierung der Gastronomiesegmente: Bierkeller und Bierhallen zum Beispiel. Immer dichter werden die Geschehnisse und damit auch die Entwicklung der Salzburger Wirtshäuser in den letzten beiden Jahrhunderten. So war zum Beispiel der Stieglkeller in den Jahren um 1918 auf Grund der schlechten Versorgungslage während des Krieges geschlossen.

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Das Buch ist wirklich eine Empfehlung für Bierfreunde, die Interesse an der geschichtlichen Entwicklung der Wirtshauskultur haben. Am Ende des Buches finden sich dann auch viele Beispiele aktueller Gastronomieobjekte wie auch einem unserer Lieblingslokale, dem Fidelen Affen. Bei meinem nächsten Besuch in Salzburg werde ich dann noch etwas genauer auf die alten Häuser und noch bestehenden Wirtshausschilder schauen.

 

Wirtshäuser-Eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten  224 Seiten bebildert , € 35

Gerhard Ammerer & Harald Waitzbauer  im Verlag Anton Pustet (ISBN 978-3-7025-0750-3)

 

Eine Gruppe von Craftbrewern, BrewPub-Besitzern und Beerfest-Organisatoren aus Georgia macht einmal im Jahr eine gemeinsame Reise nach Europa. Diesen Februar besuchen sie Deutschland, Österreich und die Tschechische Republik. Im Wiener Lokal 1516 Brewing Company brauten sie sogar einen Sud ein.

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Eine fidele Gruppe aus 27 Bierenthusiasten hat diesmal den Weg über den Atlantik genommen. Nachdem man im vergangenen Jahr kleine Brauereien in Schottland und England besucht hat, begibt man sich zu den Wurzeln der Lagerbiere und plante Stopps in München, Wien, Pilsen und Prag. Owen Ogletree, der Organisator der Reise hat beste Kontakte zur europäischen Brewpub- und Craftbeerszene, ist er doch selber Judge beim CaskAleFestival UK.

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Durch die Auswahl der im 1516 Brewing Company gebrauten Biere galt es sich zunächst schon durchzukosten. Das war trotz der frühen Stunde kurz vor Mittag ein Vergnügen. Hier wurde diskutiert, verglichen, bewertet … aber in erster Linie genossen.

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Für uns und ein paar andere ausgewählte Journalisten und Bierfreunde waren es sehr anregende Gespräche. Informativ vor allem der aktuelle Stand der Craftbeerszene in Georgia und die aktuellen Trends, die ja wie immer mit etwas Verzögerung auch in Österreich ankommen werden.

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Brian „Spike“ Buckowski von der Terrapin Beer Company in Athens braute hier auf der Anlage des 1516 einen Sud Terrapin Rye Pale Ale ein, den das Team des Wiener Brew Pubs in einigen Wochen dann ausschenken wird. Kooperationen, Austausch und Zusammenarbeit prägen die Craftbeerszene in den Staaten und gedeihen mittlerweile auch in Europa wie eine aufstrebende Hopfenranke. Besonders interresant war der Austausch mit den Organisatoren von Beerfestivals. Alan Raines vom Hotoberfest kauft als Organisator selber diverse gebrauchte Holzfässer aus Destillerien zu und füllt Biere der Festivalteilnehmer vorab zur Lagerung ein. Diese werden dann erst am Festival von den VIP Gästen (es gibt spezielle Tickets, mit denen man Zugang zu den Raritäten bekommt) verkostet.Bob Sandage, Besitzer des Brewpubs Wrecking Bar in Atlanta organisiert jährlich das Strong Beer Festival. Hier werden nur Biere ab 8 % Alkohol ausgeschenkt.

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In wenigen Wochen wird das Terrapin Rye Pale Ale aus den Leitungen des Wiener Brewpubs fliessen. Spätestens dann kommen wir zurück auf ein paar Gläser.

Neulich in … Rom

Als ich in den sozialen Medien nach guten Bierplätzen in Rom fragte, wurde ich mit Verwunderung bestraft. „Man fahre doch nicht wegen Bier nach Rom. Schon mal was von italienischen Wein gehört?“, tönte es. Aber für all die Ignoranten gilt Bier noch immer als sommerliches Erfrischungsgetränk mit den Auswahlkriterien Klein oder Groß. Aber solch Bierlokale wie in Rom suchte man in den deutschsprachigen Biermetropolen (bis vor kurzem) vergebens.

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Vorweg: Ich habe ihn Rom wohl öfters Wein als Bier getrunken. Denn zu einem guten italienischen Essen ist mir ein gut gewähltes Glass italienischen Weines allemal lieber als ein Einheitsbier aus den Industriebrauereien, das zumeist vom Fass angeboten wird. Wenn ich aber abends gezielt gutes Bier trinken wollte, kann ich in der ewigen Stadt eigentlich vorrangig 3 Lokale empfehlen: Das Open Baladin nahe dem Largo Agentin, auf das ich hier dann genauer eingehen werde, die Birreria Italia (im Rahmen des Eataly-Konzeptes in Ostiense) und die Brasserie 4:20 in Trastevere.

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Mein Highlight war das römische Outlet von Baladin, einer vormals sehr kleinen handwerklichen Brauerei – die von Teo Musso 1996 in Cuneo/Langhe gegründet wurde. Ich erinnere mich noch an seinen kleinen Stand auf der Pianeta Birra-Messe in Rimini. Mittlerweile hat die kleine Brauerei schon größere Dimensionen mit Lokalen in den großen Städten Italiens und einer Filiale bei Eataly in New York.

Im Open Baladin, in einer kleinen Gasse zwischen Campo del Fiori und Largo Argentina, sollte man unbedingt reservieren. Ausgenommen man kommt nur zu zweit und sitzt gerne auch an der Bar. Letzteres hat auf mich zugetroffen, denn von hier aus konnte ich gut beobachten, wie das Personal mit 40 offenen Bieren umgeht. Jawoll: 40 Biere vom Fass. Bin mir gar nicht so sicher, ob ich das als Qualitätskriterium her nehmen soll, denn ich bevorzuge allerweil ein gutes Bier aus der Flasche als ein Fassbier, von dem ich mir über die Qualität bzw Pflege im vorhinein nicht sicher sein kann. Gerade bei 40 Fassbieren liegt es nahe, daß hier nicht alles ganz frisch sein kann. Immerhin ist das Lokal trotz seiner 2 Stockwerke überschaubar. Mehr als 250 Gäste gehen hier auch nicht rein.

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Die Bierkarte ist wegen der wechselnden Fassbiere tagesaktuell ausgedruckt und in 14 Bierkategorien wie zum Beispiel Lager, IPA, Lambic, Sour Ale oder Barley Wine unterteilt. Also schnell mal ein leichteres IPA zum Start und dabei dann die Karte genauer studieren. Jedes Bier in 33 cl Gläsern kostet hier € 5. Ausnahmen bilden nur Barley Wine, der um diesen Preis dann in 10 oder 25 cl serviert wird. Dazu werden hausgemachte, frische Chips, gefüllte Kartoffelbällchen oder diverse Burger serviert. Auch ein veganes Speiseangebot wird hier extra angeführt.

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Die meisten Biere vom Fass werden in konischen gebrandeten Gläsern serviert, für einige Spezialitäten oder Bestellungen in der 0,7 lt Flasche werden auch Rastal Teku Gläser gereicht. Ab 21.00 Uhr abends ist das Lokal brechend voll. An den engen Tischen wird Essen und Trinken serviert, gezahlt wird mit Coupons erst am dezenten Stand neben dem Ausgang. Die Gäste sind vom Alter gut durchgemischt und man findet hier genausoviele biergenussfreudige Frauen wie Männer. Erst einige Tage später hab ich daran gedacht, ob es Wein dort eigentlich auch gab? Ich weiss es nicht mehr. Immerhin kann ich mich an von Baladin selbst produziertes Cola und eine Bitterlimonade erinnern, die meiner Frau sehr gemundet haben.

Neben den eigenen Baladin Sorten gibt es vom Fass zahlreiche internationale Brauereien vertreten. Aus Bamberg wird hier das ungspundete Keller/Zwicklbier von Mahr’s ausgeschenkt, von Mukkeller (anfänglich dachte ich an einen Schreibfehler bei den Dänen) aus Italien, von Brewdog, Brewfist, Thornbridge oder Rogue Ale. Zwei Drittel der angebotenen Biere kommen jedoch aus handwerklichen Brauereien in Italien.

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Meine Wahl an diesem Abend war das 7 Hops von Borgo (IPA 7%), ein Glas von My Antonia (Imperial Pilsner – Kooperation von Borgo/Dogfish 7,5%) und ein Ambershock  von Birrifico Italiano (Bock 7%). Ein wirklich toller Lokaltyp mit allem, was den Biergeniesser erfreut.

OPEN BALADIN, Via Degli Specchi 5, I-Roma