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Archive for the ‘Bierlokale NÖ’ Category

In meiner (Pfarr)jugend zählten die Wallfahrten nach Mariazell zu den schönsten Ereignisse. Schon damals weniger religiös behaftet, waren es einfach interessante Wanderungen in der Gemeinschaft mit Freunden. Mariazell ist allerweil noch eine Wanderung wert, wenngleich sich einiges geändert hat.mariazell

Vier Tage liessen wir uns annodazumal Zeit um von Wien ins 150 km entfernte Mariazell zu kommen, mit Übernachtungslagern in Kaumberg, Kalte Kuchl und am Gscheid kurz vor unserem eigentlichen steirischen Ziel, der mächtigen Basilika. Auch die Herren Karol Wojtyla und Karl Ratzinger fanden zuletzt (unter Nutzung Ihres Künstlernamens) den Weg nach Mariazell, allerdings per Hubschrauber. Dies bestärkte mich gestern, den Weg mit dem Auto zurückzulegen, zudem ich für die 150 km ja auch nur einen ganzen Tag Zeit hatte.

abcv_sujet1Als ich dann noch die aktuelle Imagekampagne von Ag-athe auf einem öffentlichen Autobus der Wiener Linie 13a sah, war ich auch des spirituellen Hintergrunds meiner Tageswanderung komplett beraubt. Da ich mich aber so leicht nicht von meinem Wochenendausflug abbringen lasse, wählte ich ein neues Wallfahrtsziel in Mariazell: Das Braugasthaus Girrer. Und statt der gut ausgeschilderten Via Sacra nahm ich die von mir gestern erfundene Via Cerveza und erkor als Raststationen die private Brauerei des Peter Riedmüller in Hainfeld und das Braugasthaus Linko in Traisen.

Braustüberl am Eingang zur Hainfelder Brauerei

Braustüberl am Eingang zur Hainfelder Brauerei

Das letzte Werbeschild einer Grossbrauerei sah ich in Kaumberg. Die nächsten Kilometer bis Hainfeld gibt es dann nur mehr Aussenreklamen mit Hainfelder Bier. Diese Regionalität mag ich. Die Familie Riedmüller, in deren Besitz vor langer Zeit auch mal eine Brauerei in Waidhofen und die Brauerei Wieselburg war, braut hier seit 1808 Bier. Nach der vollkommenen Zerstörung im Jahr 1945 konnte erst wieder 1951 Hainfelder Bier ausgeschenkt werden.  Das Hainfelder Kellertrübe trank ich im Braustüberl, welches auch einehervorragende Auswahl an Speisen hat. Diese passen wunderbar zu den offenen Bieren aus der benachbarten Brauerei (Kellertrüb, Pils, Dunkles, Lager).

linkoNur 14 km weiter links ins Traisental eingebogen ist man auch bald bei Peter Linkos Braugasthof angelangt. Sollte man vom köstlichen naturtrüben Linkobräu etwas zu viel erwischen, werden hier auch schöne moderne Zimmer zur Übernachtung angeboten. Diesmal aber kann ich nur aus der Erinnerung von Peters Bier zehren. Denn für mich etwas unverständlich ist Freitag und Samstag hier Ruhetag. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens erwähnt, dass meinereiner den Wagen bei diesem kleinen Bierausflug nicht selber steuerte. Über Anna- und Josefsberg gings nun weiter in besagten Wallfahrtsort.

Brauhaus_Mariazell-MariazellWar Mariazell an kulinarischen Spezialitäten in den letzten Jahren von Kräuterlikören und sämtlichen Lebkuchenvarianten dominiert (bei Pirker gibt es sogar Lebkucheneis), so muss mittlerweile Hannes  Girrers Bier ganz hoch hervorgehoben werden. Gebraut wird hier nur obergärig, das Bier wird in offenen Gärtanks vergoren. Zu speziellen Anlässen werden auch Sondersorten gebraut. Neben den saisonalen Bockbieren ist uns diesmal insbesondere das Erzherzog Johann Jubiläumsbier aufgefallen. Mit mehreren Malzsorten eingebraut, schmecke ich hier vor allem die Karameltöne besonders hervor. Zur Zeit wird auch noch das Zeller Gold ausgeschenkt. Dieses obergärige, helle Gerstenbier ist die Standardsorte in Girrers Brausortiment. Als Souvenir kann man sich diverse bierige Artikel, unter anderem eine Biermarmelade mitnehmen. Das zentral gelegene Brauhaus ist mit seinen beiden Gästezimmern übrigens das kleinste 4-Sterne Haus Österreichs. Jederzeit einen Besuch wert (nur nicht Sonntags nach 14.00, da ist geschlossen !)

Am Heimweg wollten wir noch das von der Brauerei Egger hergestellte Kamelbräu im  Kameltheater Kernhof verkosten, doch dafür waren wir leider schon zu spät dran. Schade. Sehr schade. Hätt ich vorher doch beten sollen. Oder ?

Hainfelder Braustüberl Wiener Straße 8; A-3170 Hainfeld

Linkö Bräu Gartengasse 9,  A-3160 Traisen

Wirtshausbrauere Mariazell, Wiener Straße 5;  A-8630 Mariazell

Don Kamelo, Kamelplatz 1; 3195 Kernhof

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Auch seine Heiligkeit in Rom und unsere bierige Eminenz in Wien wollen auf die neuen Medien nicht verzichten. Während Benedetto in Rom eben einen eigenen YouTube-Channel launchte, hat Bierpapst Conrad Seidl bereits 13 Folgen seines beliebten Bierpapst-TVs produziert.

 

Bierpapst Conrad Seidl (c) www.bierkultur.at

Bierpapst Conrad Seidl (c) http://www.bierkultur.at

Als Ende der 80er Jahre die Familie Hufnagel in Perchtoldsdorf Ihr Restaurant in ein typisches Bierlokal umgestalteten, sollte ein über 5 Tonnen schwerer Naturstein zum Blickfang werden. Zur Eröffnung des „Perchtoldsdorfer Bierprinz“ weihte niemand geringerer als Kardinal Franz König diesen Stein, der zum Gast ein Wasserbrunnen war und hinter der Schank 6 Bierleitungen Platz geboten hat. 20 Jahre später findet in Österreich kaum eine bedeutende Bierlokaleröffnung oder der Anstich eines Festbieres ohne Bierpapst Conrad Seidl statt. Der Innenpolitkredakteur des STANDARD und Author zahlreicher Bücher über Bier gilt heute als wichtigster Bierjournalist im deutschsprachigen Raum und steht bei jeder Veranstaltung für Bierkompetenz. Der Titel Bierpapst ist sogar markenrechtlich geschützt.

Seit geraumer Zeit gibt es im Internet auch eine eigene Sendung des Bierpapstes zu sehen. Bereits 13 Folgen hat Conrad Seidl mit einem professionelen Fernsehteam produziert. Alle Sendungen sind auf bierpapst.tv anzusehen. Die aktuelle Folge beschäftigt sich mit der Eröffnung des Mühlviertler Bierwirtshauses Freistadt in der Wiener Josefstadt, dem Münchner Hofbräuhaus und dem Dortmunder Brauereimuseum.

 

Das katholische Oberhaupt auf youtube

Das katholische Oberhaupt auf youtube

Da war es ja nur an der Zeit, dass Papst Benedikt in Rom nachzieht. Seit Mitte Januar hat der gebürtige Bayer jetzt seinen eigenen YouTube Kanal The Vatican. Obwohl es in seiner deutschen Heimat bereits ein Papst Bier gibt, setzt Benedikt in seinen kirchlichen Zeremonien weiterhin auf (Mess)Wein.

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Gewisse Sympathien  für den auch als 1.Spargelrepublik bekannten Marchfelderhof hatte ich immer gehegt. Ob Ihres schrulligen Patrones Gerhard Bocek und den dauernden Seitenblick-Aufläufen von F-Prominenten oder einfach wegen all der Skurillitäten, die einem bei einem Lokalbesuch wahrlich überrollen. Doch aus kulinarischer Sicht, geschweige denn um gute Biere zu trinken werde ich Deutsch-Wagram in Zukunft weitläufig umfahren.

Wenn ich Gäste aus dem Ausland empfange war der Marchfelderhof bis dato quasi ein fixer Programmpunkt. Diesen Ausflug aus Wien hat auch noch keiner meiner Gäste vergessen. A la carte kann man durchaus spassig essen und erlebt wirklich einige witzige Momente mit den dort engagierten Künstlern, die (kaum) unvermutet den Gästen die Zukunft voraussagen, Handlesen, Portraits malen oder Geburtstagsständchen aufgeigen. Dass das aufwendig beschriebene Essen wohl nett angerichtet aber von Qualität eher drittklassig daherkommt, übersieht man hier leicht.

Schales Bier und Zitrone im WeissbierErstmals konnte ich den Marchfelderhof nun im Rahmen einer Firmenweihnachtsfeier kennenlernen, ähnlich wie den immer wieder seitenblickenden F-Promis ging es mir hier: ich musste nicht zahlen. Wenngleich man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen sollte, musste ich mich doch über zahllose Fauxpas der Gastgeber ärgern. Im Pauschalpreis für das bestellte Weihnachtsmenü waren Bier- und Wein inbegriffen. Gibt es in der Karte auch Klassiker wie Budweiser Budvar oder das gute Pils aus der Brauerei Hirt, so kommt im Pauschalpreis leider nur Ritter Bier aus dem Mühlviertel. Entgegen den anderen Brauerein der Region hat mich dieses Bier bis jetzt immer nur enttäuscht. Im Marchfelderhof noch etwas zu warm und wahrscheinlich abgestanden serviert konnte ich mein Glas nicht austrinken.  Als Alternative gab es Edelweiss Weizenbier oder vom Gast extra zu bezahlendes Flaschenbier (Budweiser oder Hirter). Erstere Version kam dann mit Zitrone im Weizenbier. Den überforderten Kellner auf den Fehler aufmerksam gemacht, meinte er nur: „Das gehört so ! Weissbier muss man mit Zitrone trinken“. Man muss mittlerweile kein Fachmann zu sein um zu wissen, dass die Zitrone in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts von bayrischen Brauern verwendet wurde, um die abweichenden Qualitäten Ihrer Weissbiere zu kaschieren. Heutige Brautechnik und vor allem auch die tadellosen Brauer in Kaltenhausen (dort braut die BrauUnion Ihr Weissbier) haben diese Methode schon lange nicht mehr nötig. Im Gegenteil: Die Zitrone zerstört das eigentliche bananige Aroma, für das Weissbierliebhaber Ihr Getränk so schätzen.

Also dann halt ein Flaschenbier aus Hirt bestellt:  Ebenso wie bei Schnappsorder bestanden die Kellner tatsächlich um Vorauskasse !!! Hallo ! Vorauskasse ! Ja wirklich.

Ein arroganter K&K Hofzigeunger

Ein arroganter K&K Hofzigeunger

Als dann noch meine allerliebste K & K Hofzigeunerkapelle in dezenter Weihnachtsverkleidung erschien freuten wir uns auf liebliche Melodien. Einige von uns erkannten zwar die angedeuteten Versionen von Jingle Bells und ähnlichem, unsere Wünsche wollte man uns heute abend nicht erfüllen. Weder „Die Internationale“ noch den Klassiker „Bella Ciao“ wollte man uns vorspielen. Wahrscheinlich befürchteten die K&K Hofzigeuner, dass pauschalierte Weihnachtsgäste kein Trinkgeld dalassen. Als der Akkordeonspieler beim Abgang dann die ersten beiden Akkorde von Bella Ciao spielte … und ging war das für uns wie ein „Leck mich am Arsch“.  Danke, ebenso. In Zukunft werde ich die Spargelrepublik wieder den Schillers, Lugners, Polsters und nicht zu vergessen Birgit „Miss Piggy“ Sarata überlassen. Ich geh jetzt ein richtiges Bier trinken !

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