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Archive for the ‘Brauereien Österreich’ Category

Die heimische Braulandschaft bewegt sich gewaltig. Nach der Konzentration der Braulandschaft in den frühen 90er Jahren, boomen zur Zeit neue Kleinbrauereien. Mit Loncium, Wimitzbräu und Shilling gibt es auch in Kärnten tolle Exponenten dieser Szene. Letzteren haben wir uns als jüngsten Braubetrieb in Kärnten mal genau angesehen.

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Die Gartenrast ob dem kärntnerischen Radenthein ist schon seit Jahren die einsame Spitze der Biergastronomie in Österreichs südlichstem Bundesland. Am Hang gelegen, zwischen den Tourismusmagneten Millstätter See und Bad Kleinkirchheim, hat Uli Bacher eine Bierkultur eingeführt, wie sie in ganz Österreich kaum zu finden ist. Der Wirtssohn war nach seiner Brauerausbildung in München einige Zeit bei der schweizer Egger-Brauerei in Worb beschäftigt, bevor er den elterlichen Betrieb übernehmen musste. Hier wurden seit jeher die gastronomische Vielfalt des Huhns hochgehalten, vom Backhenderl bis zum Hühner-Wok. Nun aber wurde auch eine höhere Sorgfalt ob der Wein- und Bierauswahl getroffen. Alle 2 Jahre organisiert Uli Bacher hier auch das Kärntner Bierfestival, die jährlichen Höchstnoten in Conrad Seidls Bierguide sind mehr als redlich verdient.

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57 Jahre lang ist Villacher Bier aus den Zapfhähnen der Gartenrast gelaufen, zuletzt begleitet von einer sensationellen Auswahl an internationalen Spezialbieren. Zumeist gab es etwa 40 an der Zahl in den gut sortierten Bierkühlschränken. Doch seit Ende 2013 läuft hier statt dem Kärntner Marktführer die eigene Marke durch die gut gepflegten Hähne. Shilling Bier, so der eigene Fantasiename, wird seitdem in den ehemaligen Busgaragen der Familie gebraut. In der Bierszene machte es den ersten Knaller, als kurz vor Weihnachten 2013 das „Weihnachtsbier“ auf den Markt kam: Ein Collaborationbrew zwischen der neuen Shilling-Brauerei und der Hofstetten-Brauerei aus dem Mühlviertel. Das Dreamteam Uli Bacher und Peter Krammer machten ja schon die Brauerausbildung gemeinsam. Das Starkbier mit 6,6% Alkohol war angelehnt an skandinavische Festtagsbiere, mit einem Hauch von Kardamon und Zimt: Die Flaschen waren sehr bald vergriffen, ein Teil des Sudes liegt aber noch in Portweinfässern in Hofstetten und wartet darauf, demnächst verkostet zu werden. Das nächste Weihnachten kommt bestimmt!

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Die Standardbiere, die auf einer 10 hl Anlage nur 100 m von der Gartenrast entfernt gebraut werden, sind aber vorrangig für den eigenen Gastrobetrieb gedacht, und werden dort auch gebraucht: 150 Sitzplätze (die sensationelle Terrasse noch nicht einbezogen) machen eine eigene Brauerei schon mal rentabel. Einige Gastronomen der Umgebung werden auch mit Fässern versorgt, an eine Flaschenabfüllung ist jedoch noch nicht gedacht. Im Moment läuft gerade das Shilling Helle, das Shilling Granat und das als Sommerbier angepriesene Pale Ale mit 4,5% aus den Hähnen. Alle 3 Biere wirklich gute Vertreter ihres Types, auch die Gläser passen perfekt.

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Was mir aber besonders imponiert hat, ist die Preispolitik bei den Spezialbieren. Ein mit 100 Ratebeer-Punkten bedachtes Abteibier namens Abt 12 aus der Brouwerij St.Bernardus in Belgien (10 % alc) wird für € 5 serviert, sogar das belgische Kwak wird in den originellen Originalgläsern mit Holzgestell um € 4 an den Tisch gebracht. Dabei wird nicht einmal vom kolportierten Brauch gebrauch gemacht, daß der Gast als Pfand einen Schuh hergeben muss. Der Aventinus Weizenbock vom Brauhaus Schneider wird in verschiedenen Jahrgängen um € 4 für den halben Liter angeboten: Ich leide ob der Tatsache, daß man hier eigentlich nur mit dem Auto herkommen kann und ich mit genau diesem wieder sicher in mein Domizil kommen möchte.

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Es sei auch bemerkt, daß die Speisen exzellent sind, die Weinkarte und ebengleich die Beratung mit der Bierkompetenz Schritt halten kann. Neben den Bieren auf der 4seitigen Spezialkarte gibt es eine erweiterte Auswahl in den Sichtkühlern zu bestaunen und ordern.

Natürlich trinkt die Mehrheit der zahlreichen Gäste noch das „Helle“. Zitate vom Nebentisch lassen mich schmunzeln: „Ich brauch keine Bierkarte, ich will ein Bier!“. Aber die Arbeit, die Uli Bacher hier oberhalb von Radenthein für die Bierkultur in diesem Land leistet, ist unbezahlbar. War der Betrieb mit seiner Auswahl und Beratung bis zuletzt auf der höchsten Bierplattform gemeinsam mit Karl Zuser im Gasthof Riedberg , Karl Schiffner in Aigen/Schlägl und Stefan Kreidl im Verde1080/Wien, so hat die Gartenrast mit den hauseigenen Shilling-Bieren nun den Gipfel des heimischen Bier-Olymp eingenommen. Die Gartenrast ist eine laaaaange Rast wert!

Gartenrast / Brauerei Shilling – Gartenrastweg 9, 9545 Radenthein

 

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Für den Freund gehobener Gastronomiekultur ist die größte heimische Gastronomiefachmesse GAST in Salzburg der blanke Horror. 5 Tage lang werden kurz vor der so wichtigen Wintersaison alle Neuheiten präsentiert. Weil aber auch nirgendwo die Breite des österreichischen Biergeschäftes so konzentriert gezeigt wird, hab auch ich mir wieder diese Messe angetan. Ausgerechnet am besucherstärksten Tag. Der Versuch einer Beschreibung, bevor ich es wieder verdrängen mag:

Für die Messe bleibt mir heuer nur ein Tag, es ist der Montag – für die GAST ist das der besucherstärkste Tag. Viele Gastronomen und Hoteliers nützen den ruhigen Montag nach ihrem Wochenendgeschäft um nach Salzburg zu fahren. Immer öfter erlebe ich, daß sich hier nicht nur die Aussteller präsentieren, sondern auch die Wirte. Oft mit einem Tross aus Stammgästen angereist, denen Alkohol bis zum umfallen versprochen wird, zeigt man hier seine Bedeutung vor den Lieferanten.

Schon im frühen Zug von Wien nach Salzburg entdecke ich die ersten Messebesucher. Im Bistrobereich der Westbahn sitzen die beiden Herren um 6.50 Uhr morgens und essen ihr Schnitzel mit Kartoffelsalat, begleitet von 2 Flaschen Bier (alles selbst mitgebracht, wohlgemerkt). Ich entnehme ihrem Gelalle sowas wie eine Messeplanung, die immer dann etwas lauter wird, wenn der Ärger entfläucht, daß Bacardi auf der GAST nicht vertreten ist. Das Ziel der beiden Herren für den Montag ist offensichtlich: Den Spiegel zu halten und am abend wieder irgendwie den Bahnhof finden.

Am Bahnhof in Salzburg ist es dann ziemlich schwierig, öffentlich zum Messegelände zu kommen. Die O-Buslinie 1 fährt in 10 min Intervallen zur Messe, für den aktuellen Andrang ist dies viel zu wenig. In der Warteschlange dreht sich auch hier fast alles um ein Thema: Wo geht man am besten zum saufen hin, die Wörter „trinken, verkosten, probieren oder gustieren“ haben hier offensichtlich kaum was zu suchen.

Auch wenn mein Hauptinteresse den Bieren hier gilt, streife ich am Vormittag vor allem auf der Suche nach anderwertigen Neuheiten, mit einem Focus auf Bio durch die Hallen. Ausser den feinen neuen Bio-Chips von BioArt im BioParadies Salzburg und einem Stand der Fairtrade-Organisation ist aber nur wenig organisches präsent. Immerhin treffe ich dann Robert „Kaiser Robert Heinrich“ Palfrader, als Werbeträger der Frittenbude 11er macht er hier gute Miene zum bösen Spiel. Im Gegensatz zu den Vertretern der Frittierware gelingt ihm als Schauspieler die fröhliche Mimik. Den anderen beiden geht es offensichtlich wie den Fussballtorhütern vor Gleichnamigen.

(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik

(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik

Etwas später traute ich mich dann endlich zu den Bierständen. Mit dem Florian Pils der Brauerei Schnaitl zu starten kann sicher nicht schaden, auch der Mai- und der Festbock konnten mich in Probier-Mengen erfreuen. So richtig turbulent ging es schon zu Mittag auf den Ständen der großen heimischen Brauereien zu. Die österreichische Brau Union hat ihren Riesenstand nach Marken gegliedert – Heineken, Zipfer, Gösser, Desperados – und alleine die Anzahl ihrer Bierversilberer würde kleinere Hallen füllen. Für besonders wichtige Gäste und die Führungsmannschaft des heimischen Heineken-Ablegers gab es einen ersten Stock. Für diesen war ich nicht wichtig genug – immerhin hat man mir ein Bier von oben gebracht. Denn nur im exklusiven Bereich gab es das „Maroni Style“ Bier von Günther Seeleitner aus dem Braugasthof in Kaltenhausen. Etwas wenig Maroni für meinen Geschmack, aber nach einem starken Edelweiss Gamsbock stinkt auch mal das beste Gourmetbier trotz seiner 6,9 % Alkohol ab. Immerhin weiss ich nun wie die heimische Bierkultur aussieht:

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Die wirklichen Spezialitäten, also die Lieblingsbiere der Braumeister, werden hier nicht wirklich publikumswirksam präsentiert, oder nur auf Nachfrage unter der Bude gereicht. Für das Klientel der Messebesucher setzt man auf die bekannten, großen Marken – „Biere, die nicht wehtun“, wie mir ein Biervertreter des Marktführers kundtat. Aber wenn man genau hinsieht, dann findet man sie ja doch:  Das IPA oder das Honigbier (welches sich auch durchaus Honigbock nennen könnte) der Rieder Brauerei, den im Cherryfass gereiften Ganderbock aus dem Zillertal, das holzfassgereifte Trumer Bier oder den schon erwähnten Maibock von Matthias Schnaitl aus Gundertshausen.

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Das Thema Craftbeer ist auch hier angekommen. Getränkehändler wollen mit diesem Thema punkten, vielleicht auch die eine oder andere Anfrage von interessierten Kunden befriedigen. So vertreibt die Tiroler Firma Morandell mit ihrem österreichweiten Logistiknetz auch die Produkte des Osttiroler Importeurs Heinrich Wibmer. Das sagt jetzt nicht jedem was, aber in anderen Worten: So finden zum Beispiel schottische Brewdog Biere auch den Weg in die österreichische Gastronomie. In den Kühlschränken am Messestand fand sich sogar Abstrakt.

Verstärkt auf die Craftbeer-Szene setzt auch Kolarik & Leeb, eine Tochter Firma der Ottakringer Brauerei. Letztere hatte ja schon mit den Kleinbrauern im Rahmen ihrer Braukulturwochen im letzten Sommer aufhorchen lassen. Aus diesen Reihen kommen auch die meisten neuen Craftbiere, die auch auf der Messe präsentiert wurden: Eine Auswahl an Gusswerk-Bieren, das Sortiment des Kremser Brauschneiders und die auffällig etikettierten Bevog-Biere der slowenischen Brauer aus Bad Radkersburg.

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Karl Kolarik, auch als Schweizerhaus-Besitzer sowas wie eine Bierlegende, vertreibt nun auch Horny Betty vom Brauhaus Gusswerk.

Zum Abschluss wollte ich nochmal etwas mehr über die Hausbiere von Stiegl erfahren, Spezialitätenbraumeister Markus Trinker war aber an dem Tag leider nicht zugegen und bei dem Trinkerandrang war dann irgendwie auch keine richtige Fachgesprächstimmung mehr gegeben.

So bin ich dann nach 8 Stunden Messe bereits 30 Minuten vor Messeschluss zum Bahnhof. Der Zug war im Gegensatz zur Hinfahrt beinahe leer. Offensichtlich haben viele der Messe-Aussaufer den Weg nicht mehr gefunden.

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Mit dem BierCulturSeptember starten 9 mittelständische Brauereien aus Österreich eine weitere Initiative, um die Biervielfalt abseits der internationalen Mainstreambiere zu stärken.

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hinten von links: Karl Schwarz (Zwettler), Martin Lechner (Zillertaler), Hubert Stöhr (Eggenberger), Klaus Möller (Hirter). vorne von links: Ewald Pöschko (Freistädter), Josef Rieberer (Murauer), Seppi Sigel (Trumer), Karl Trojan (Schremser)

„Wir erleben gerade stürmische Zeiten“, startet Seppi Sigl von der Trumer Brauerei seine persönliche Vorstellung. Damit meint er nicht nur den windigen Herbsteinbruch, den die Runde aus Brauern und Journalisten im Biergarten des Hietzinger Schlossbräu erlebt, sondern auch die Situation in der globalen Brauwirtschaft: Ganz oben bei den internationalen Braukonzernen gibt es nur noch wenige Big Player, die sich den weltweiten Biermarkt mit Mainstream-Bieren aufteilen. Die letzten Jahre waren geprägt von Fusionen: Im Mittelpunkt standen dabei nicht mehr die Bierqualität sondern Werte wie Shareholdervalues und ähnlichem. Am unteren Ende der nach Grösse sortierten Brauereiskala findet seit Jahren so etwas wie eine Revolution statt: Microbreweries schiessen allerorts aus dem Boden und versuchen sich an neuen Biervariationen und Vermarktungsformen abseits der klassischen Bierklischees. Craftbeer mit seiner gängigsten Sorte IPA und seinen geschmackvollen Hopfenvarianten geht auch an den großen Brauereien nicht spurlos vorüber. Am Reinheitsgebot wird ohnehin fast nur noch im deutschsprachigen Raum geklammert.

Der Zusammenschluss der 9 österreichischen CulturBrauer bildet dabei sowas wie den Mittelstand, und soll diesen in der Gemeinschaft auch stärken. So eine Anhäufung und Braukompetenz, aber auch österreichischer Brauereigeschichte wie bei der Präsentation des BierCulturSeptembers findet man selten: Mit Ausnahme von Heinz Huber (Mohrenbräu) waren alle teilnehmenden Brauereien durch Ihre Eigentümer oder – im Falle der beiden Genossenschaftsbrauereien – Geschäftsführer vertreten. Gemeinsam repräsentieren sie 13 Prozent des heimischen Biermarktes – gemessen an der Dominanz des holländischen Braukonzernes, sehr beachtlich.

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Die CulturBrauer treten  als Freunde auf – in einem Geschäft, daß zu fast 70 Prozent im überregionalen Handel gemacht wird, sehr sympathisch. Vertreten sie doch auch gemeinsame Interessen:

– Geschmacks- und Sortenvielfalt sichern

– Bier als Gourmet Produkt etablieren

– Bierspezialitäten populär machen

– Wissen bewahren

– Kultur fördern

– Qualität steigern

Gemeinsame Aktivitäten gibt es seit dem Zusammenschluss als CulturBrauer im Jahr 2008. Der Konsument konnte das vor allem in Form der gemischten Bierboxen erkennen, die saisonal 9 verschiedene Bierspezialitäten aus allen Brauereien in einem Gebinde vereinte. Ab Anfang Oktober 2013 werden so auch wieder die Bockbiere der CulturBrauer offeriert.

Davor startet aber der BierCulturSeptember, denn wie Karl Trojan von der Schremser Brauerei meint:  „Die Gastronomie ist für die Bierkultur unser wichtigster Partner“.  25 Gastronomen im gesamten Bundesgebiet veranstalten Events, an denen 9 verschiedene Spezialitäten der CulturBrauer in den Mittelpunkt gerückt werden.

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Bereits Ende August startet auf der Zwettler Schwarz Alm der „Hopfenherbst“ mit allen Spezialitäten der CulturBrauer und einer hopfenaffinen Speisekarte. In Wien offeriert Thomas Brandauer in seinem Hietzinger Schlossbräu am 28.August eine „Bierkulinarische Reise“. Robert Klack bietet in seiner Meilinger Taverne am Mittersiller Stadtplatz den ganzen September ausgewogene Kombinationen wie zB „Bier meets Pinzgau Beef“ oder „Bier meets Berglamm“. Der komplette Kalender ist hier zu finden.

Anlässlich des BierCulturSeptembers präsentierten die CulturBrauer auch ein gemeinsames Verkostungsglas in der angenehmen Grösse von 0,2 lt, daß alle Logos vereint.

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Bei der 1.Bier-Meisterklasse wurde Partnerbetrieben aus der Gastronomie auch eine ausgewählte Speisenfolge präsentiert, die zu den jeweiligen Bieren exzellent harmonierte. Das Zillertaler Weissbier zum Tomaten-Mozarellasalat oder eine pikantere Creme Brulee (mit Ziegenkäse) zum Zwettler Saphir.

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Ich bin noch immer beeindruckt, wie der abschliessende Weinkäse mit Crouton und Feigenchutney mit dem Eggenberger Urbock an meinem Gaumen explodierte und freu mich auf den BierCulturSeptember. Und mögen die stürmischen Zeiten noch viele gute Biere aus qualitätsorientierten Brauereien bringen!

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Auf dem Gelände der einzigen Wiener Brauerei (von Hobby- und Gasthausbrauern abgesehen) finden über die beiden Sommermonate die Braukulturwochen statt. Dabei werden aber neben den Bieren aus Ottakring auch andere Biere präsentiert.

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Es ist jetzt fast 20 Jahre her, als mich die Einstellung der Ottakringer Führung etwas irritierte. Auf zahlreichen Messen in Österreich bin ich immer wieder Verkäufern/Aussendienstmitarbeitern der Brauerei begegnet, die jammerten, daß sie laut Weisung kein anderes Bier trinken dürfen. Das eiserne Regime des Bierbarons Engelbert Wenckheim konnte ich nicht ganz nachvollziehen: Wie sollten die Herren aus dem 16.Bezirk ihren Kunden glaubhaft von ihrem guten Bier erzählen, wenn sie andere Marken gar nicht probiert haben?

Egal! In der Zwischenzeit ist viel Bier die Kehlen hinabgeronnen und vieles hat sich verändert: 1995 trennte sich Gustl Harmer von seinem Schwager Engelbert Wenckheim und tauschte seine Anteile an der Ottakringer Brauerei gegen die Griesskirchner Brauerei. Dadurch kam der Erzrivale, die Brau Union plötzlich zu über 13 % Anteilen. Vor wenigen Jahren war dieser Alptraum für die Wiener vorbei und in Ottakring wurde groß gefeiert. Den Vorstand der Brauerei hatte schon längst die weltgewandte und dynamische Christiane Wenckheim übernommen. Auch die Corporate Identity wurde in der Zeit zweimal geändert, beidemale stand eine Agentur aus England hinter dem Relaunch. Zuletzt – zum 175 jährigen Jubiläum der Brauerei – wurde auch das Gelände einem Facelifting unterzogen. 2013 bildet es einen wunderbaren Rahmen für die erstmals ausgerichteten Ottakringer Braukulturwochen. Vom 4.Juli bis zum 4.September präsentiert sich der Vorplatz der Brauerei als riesiger Biergarten. Dort wo noch vor kurzem Fahnenmasten rankten und türmeweise Leergebinde gestapelt waren, sitzen die Wiener nun täglich ab 15.00 Uhr und geniessen feines Bier und ausgewählte Kulinarikschmankerln.

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Und das hat mich überrascht und auch sehr erfreut: Jede Woche wird an einem eigenen Stand eine kleine Gastbrauerei präsentiert. Kleine, feine Brauer, die mit ihrer Handwerkskunst wieder mehr Vielfalt in die industriebetonte Massenbierproduktion bringen. Als Gäste werden diesen Sommer unter anderem Gerhard Forstner aus der Steiermark, das Brauhaus Gusswerk aus Salzburg oder der Brunner Bierzauberer Günther Thömmes an einem eigenen Stand ihr Bier ausschenken. Der Wechsel erfolgt jeweils am Donnerstag mit dem Bieranstich der neuen wöchentlichen Gastbrauerei.

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Auch sonst wird viel Rahmenprogramm geboten: Jeden Montag gibt es das Fahrradkino, bei dem Radfahrer über Dynamos für die Stromversorgung der Projektion sorgen, Dienstags gibt es BBQ, also eine Grillerei, und von wöchentlich auch Musikdarbietungen auf der Bühne. Die Gebäude der Brauerei werfen einen angenehmen Schatten, so daß es sich auch bei höchstsommerlilchen Temperaturen angenehm anfühlt, in Ottakring auf ein Bier zu sitzen.

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Die Brauerei hat damit dann eigentlich auch das, was viele andere Brauereien ausmacht: Für 2 Monate haben sie ihren eigenen, schönen Biergarten. Gut auch, daß hier wirklich mit einem funktionierendem Pfandsystem in Gläsern ausgeschenkt wird und auch bei den Speisen auf Qualität statt auf billiges Fast-Food gesetzt wird (Empfehlung: Wildschweinkäsekrainer beim Geldmann!).  Wie das die Partnerwirte der Umgebung, wie zum Beispiel der Bierfink sehen, ist eine andere Frage. Für mich ist es aber eine tolle Veranstaltung, die ich sicher noch öfters besuchen werde.

Ottakringer Braukulturwochen 4.7.-4.9.2013 Brauerei Ottakring

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Kein Bierstil hat in den letzten Jahren soviel Aufmerksamkeit uns so viele neue Varianten gefunden wie das Indian Pale Ale. Parallel mit dem wachsen der Craft-Beer Szene ist es beinahe schon im Bier-Mainstream angekommen. Um das zu zelebrieren erklärte man in Amerika den ersten Donnerstag im August zum IPA-Day!

Gestern traf ich auf der Strasse Johnny. In Wien besitzt er einige Pubs zudem auch noch das Bobbys, einen Import Shop für Lebensmitteln aus England, Schottland und Irland. Letzte Woche gab es als Beerspecial im Johnny’s Pub das Punk IPA von der schottischen Craft Brewery Brewdog.

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Als ich mich erfreut zeigte, daß es diese Spezialität nun auch in seinem Pub gibt, verzog er seine Mine und es hatte nichts, was ich an positiver Gestik deuten konnte: „Pfui, das ist ja grauslich! Schmeckt wie parfümiert“, sagte Johnny und ist mit seiner Meinung da wahrscheinlich die Ausnahme, die üblicherweise die Regel bestätigt.

Die Legende sagt, daß Indian Pale Ales schon im 18.Jahrhundert gebraut wurden. Stärker gehopfte Ales, die dadurch die langen Tranportwege von der englischen Mutterinsel in die fernen Kolonien, vor allem Indien, überstehen sollten.

In Amerika fand dieser Biertyp ein Revival. Die aufstrebenden Craft Breweries stellten IPA in den Mittelpunkt und bereits nach wenigen Jahren fällt es vielen schwer, die beiden Begriffe voneinander zu trennen. In vielen Foren wird heute darauf hingewiesen, daß CraftBeer nicht gleich IPA ist und schon gar nicht umgekehrt.

Von den zahlreichen Spezies, die man auch im deutschsprachigen Raum über diverse Onlinehändler oder Spezialitätenshops – am besten aber auf Craft-Beer-Festivals, erwerben kann, mochte ich das Weisse Nicobar am liebsten. Zuletzt konnte ich es auf einer Nachhaltigkeitsmesse in Wien vom Fass trinken, denn das Weisse Nicobar von der Brauerei Gusswerk ist auch nach Biokriterien gebraut.

Ich werde den IPA Day heute aber mit einem besonders fein gestalteten Produkt feiern: Stefan’s Indian Ale ist ein Spezialprodukt aus der oberfränkischen Brauerei Maisel’s. Jeff Maisel hat mit 2 Freunden unter dem Titel Maisel & Friends 3 aussergewöhnliche Biere kreiert, die in wunderschönen 0,7 lt Flaschen und dazugehörigen Designergläsern angeboten werden. Auch so ein Beispiel, wie große Brauereien auf Craft Beer setzen.

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Die hopfig fruchtige Kreation mit dem gelb-orangen Etikett stammt von Stefan Sattran, seineszeichens Wein- und Delikatessenhändler mit seinem Luna in Bayreuth. Besonders heute werde ich mir dieses Bier schmecken lassen!

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Wenn der Name des burgenländischen Kobersdorf fiel, dachte ich bis dato immer nur an Mineralwasser oder die Sommerfestspiele. Ersteres schätze ich daheim, weil als eines der letzten am Markt noch in der 1 lt.Glasflasche erhältlich. Den Festspielen steht als Intendant einer meiner heimischen Lieblingsschauspieler -Wolfgang Böck – vor. Nach den ersten Kostproben von Bier aus Kobersdorf werd ich den Ort so schnell nicht mehr vergessen.

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Mitten in Wien gibt es einen Hofladen. Die sympathische Imkerfamilie Rohrauer aus dem burgenländischen Ladendorf hat schon vor einiger Zeit aufhorchen lassen, als sie die exklusive Serie DaZu mit ihren Honigprodukten launchten: Senfvariationen mit Honig, Basilikumsirup zum Trinken und andere wirklich empfehlenswerten Bioprodukten. Anfang April eröffneten Georg Rohrauer und Annemarie Wanner  nun im Wiener Alsergrund einen urbanen Hofladen, in dem sie neben den eigenen Spezialitäten ein breites Sortiment an Bioprodukten anbieten. In sehr nettem Ambiente findet man neben Honig, Weinen und Met auch einige Spezialbiere aus dem Kobersdorfer Schlossbräu.

Bei meinem letzten Einkauf versuchte ich mich am Honigbier und an einem in der 0,7 lt abgefüllten Vierkornbier. Das Fior Kurnin wird aus 4 Getreidesorten (Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste) eingebraut und kann mit 6,5 Volumsprozent Alkohol und hervorragend intenivem Geschmack aufwarten. Kein Bier zum Durst löschen. Ein Bier zum geniessen!

Das Honigbier kommt kräftig, hat aber nicht so viel Alkohol, wie ich zu schmecken glaube. Ein sehr angenehmes Bier, das ich mir in Zukunft sicher als Spezialität bevorrate. Mit Sicherheit komm ich das nächste Mal zum Hofladen mit grösseren Taschen.

Peter Döllinger, der die Brauerei in Kobersdorf seit 2008 als Ein-Mann-Unternehmen führt, ist schon viel herumgekommen. Viele Jahre arbeitete er als Brautechniker für diverse Brauereien im In- und Ausland, bis er sich vor 5 Jahren den Traum von der eigenen kleinen Brauerei in der Heimat erfüllte.

Auch das burgenländische Fernsehen hat schon über Peter Döllinger berichtet:

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Bier geht sprichwörtlich unter die Haut, vorausgesetzt man sitzt in einem Bierbottichbad! Mit dieser außergewöhnlichen Form des Biergenusses hat sich ein Hotel im Ibmer Moor einen Namen gemacht: Der Innviertler Moorhof.

 

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Die Gegend ist mir schon seit Kindheitstagen in guter Erinnerung: Wir machten oft Urlaub rund um den Holzöstersee – wobei der Begriff See vielleicht eine etwas größenwahnsinnige Bezeichnung für ein Gewässer, das ich schon als Zehnjähriger in gefühlten 5 Minuten schwimmend durchquerte. Aber gerade das kleinstrukturierte machte für uns als Familie die Ferien in der Region abseits des Massentourismus so schön. Später dann kam ich immer wieder gerne wegen des Bieres in die Region. Viele der grösseren Orte im Innviertel haben gleich 2 Brauereien, wie Altheim, Ried oder Schärding. Hier im Ibmer Moor gab es aber vor allem das Schnaitl, gerade der Maibock von Braumeister Alexander Pöllner zeigte gute Wirkung.

 

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Die oberösterreichische Hoteliersfamilie Bauer setzt aber auf die etwas andere Wirkung des hefigen Hopfen-Malzgetränks. Vor fast 20 Jahren hatte Hedwig Bauer die zündende Idee, die natürliche Heilwirkung des Bierkrugs für klassische Wellnessbäder einzusetzen.  Dosiert man die Malz- und Hopfeninhaltsstoffe, die Hefe sowie Zucker, Eiweiße und die Bitterstoffe richtig und stimmt zudem die Temperatur im riesigen Eichenbottich, dann entfalten die Wirkstoffe erst ihre volle Wirkung: So zeigten die allseits bekannten Bieringredienzen etwa ungeheuer positiven Einfluss auf beanspruchte und kranke Haut, ebenso wie sie rheumatische Beschwerden, Gicht aber auch Durchblutungsstörungen linderten, erläutert Seniorchefin Bauer. Man nimmt also nicht direkt ein Bad aus Bier, sondern badet in Wasser, das mit dem speziellen Biertrub aufbereitet worden ist. Dabei sprudelt das„Wellnessgebräu“ unentwegt und der dabei aufquellende Schaum steht dem eines gekonnt abgezapften Bieres um nichts nach. Den direkten Vergleich können Gäste auch gleich anstellen, indem sie vom Bierbottichbad aus kurzerhand ein „kühles Blondes“ zapfen, bevor sie in Leinentücher eingewickelt, auf weichem Stroh zur himmlischen Entspannungsstunde gebettet werden. Da kann man nur sagen: Wellness mit Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!

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www.moorhof.at

Landhotel Moorhof

Dorfibm 2
5131 Franking

+43/(0)6277/8188-0

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