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Archive for the ‘Neulich In …’ Category

Als ich in den sozialen Medien nach guten Bierplätzen in Rom fragte, wurde ich mit Verwunderung bestraft. „Man fahre doch nicht wegen Bier nach Rom. Schon mal was von italienischen Wein gehört?“, tönte es. Aber für all die Ignoranten gilt Bier noch immer als sommerliches Erfrischungsgetränk mit den Auswahlkriterien Klein oder Groß. Aber solch Bierlokale wie in Rom suchte man in den deutschsprachigen Biermetropolen (bis vor kurzem) vergebens.

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Vorweg: Ich habe ihn Rom wohl öfters Wein als Bier getrunken. Denn zu einem guten italienischen Essen ist mir ein gut gewähltes Glass italienischen Weines allemal lieber als ein Einheitsbier aus den Industriebrauereien, das zumeist vom Fass angeboten wird. Wenn ich aber abends gezielt gutes Bier trinken wollte, kann ich in der ewigen Stadt eigentlich vorrangig 3 Lokale empfehlen: Das Open Baladin nahe dem Largo Agentin, auf das ich hier dann genauer eingehen werde, die Birreria Italia (im Rahmen des Eataly-Konzeptes in Ostiense) und die Brasserie 4:20 in Trastevere.

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Mein Highlight war das römische Outlet von Baladin, einer vormals sehr kleinen handwerklichen Brauerei – die von Teo Musso 1996 in Cuneo/Langhe gegründet wurde. Ich erinnere mich noch an seinen kleinen Stand auf der Pianeta Birra-Messe in Rimini. Mittlerweile hat die kleine Brauerei schon größere Dimensionen mit Lokalen in den großen Städten Italiens und einer Filiale bei Eataly in New York.

Im Open Baladin, in einer kleinen Gasse zwischen Campo del Fiori und Largo Argentina, sollte man unbedingt reservieren. Ausgenommen man kommt nur zu zweit und sitzt gerne auch an der Bar. Letzteres hat auf mich zugetroffen, denn von hier aus konnte ich gut beobachten, wie das Personal mit 40 offenen Bieren umgeht. Jawoll: 40 Biere vom Fass. Bin mir gar nicht so sicher, ob ich das als Qualitätskriterium her nehmen soll, denn ich bevorzuge allerweil ein gutes Bier aus der Flasche als ein Fassbier, von dem ich mir über die Qualität bzw Pflege im vorhinein nicht sicher sein kann. Gerade bei 40 Fassbieren liegt es nahe, daß hier nicht alles ganz frisch sein kann. Immerhin ist das Lokal trotz seiner 2 Stockwerke überschaubar. Mehr als 250 Gäste gehen hier auch nicht rein.

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Die Bierkarte ist wegen der wechselnden Fassbiere tagesaktuell ausgedruckt und in 14 Bierkategorien wie zum Beispiel Lager, IPA, Lambic, Sour Ale oder Barley Wine unterteilt. Also schnell mal ein leichteres IPA zum Start und dabei dann die Karte genauer studieren. Jedes Bier in 33 cl Gläsern kostet hier € 5. Ausnahmen bilden nur Barley Wine, der um diesen Preis dann in 10 oder 25 cl serviert wird. Dazu werden hausgemachte, frische Chips, gefüllte Kartoffelbällchen oder diverse Burger serviert. Auch ein veganes Speiseangebot wird hier extra angeführt.

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Die meisten Biere vom Fass werden in konischen gebrandeten Gläsern serviert, für einige Spezialitäten oder Bestellungen in der 0,7 lt Flasche werden auch Rastal Teku Gläser gereicht. Ab 21.00 Uhr abends ist das Lokal brechend voll. An den engen Tischen wird Essen und Trinken serviert, gezahlt wird mit Coupons erst am dezenten Stand neben dem Ausgang. Die Gäste sind vom Alter gut durchgemischt und man findet hier genausoviele biergenussfreudige Frauen wie Männer. Erst einige Tage später hab ich daran gedacht, ob es Wein dort eigentlich auch gab? Ich weiss es nicht mehr. Immerhin kann ich mich an von Baladin selbst produziertes Cola und eine Bitterlimonade erinnern, die meiner Frau sehr gemundet haben.

Neben den eigenen Baladin Sorten gibt es vom Fass zahlreiche internationale Brauereien vertreten. Aus Bamberg wird hier das ungspundete Keller/Zwicklbier von Mahr’s ausgeschenkt, von Mukkeller (anfänglich dachte ich an einen Schreibfehler bei den Dänen) aus Italien, von Brewdog, Brewfist, Thornbridge oder Rogue Ale. Zwei Drittel der angebotenen Biere kommen jedoch aus handwerklichen Brauereien in Italien.

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Meine Wahl an diesem Abend war das 7 Hops von Borgo (IPA 7%), ein Glas von My Antonia (Imperial Pilsner – Kooperation von Borgo/Dogfish 7,5%) und ein Ambershock  von Birrifico Italiano (Bock 7%). Ein wirklich toller Lokaltyp mit allem, was den Biergeniesser erfreut.

OPEN BALADIN, Via Degli Specchi 5, I-Roma  

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Wenige Tage vor Weihnachten: Ein Spaziergang durch die Hauptstadt Oberfrankens und ein Streifzug durch großteils traditionelle Gaststätten und die Biere der Stadt.

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Der letzte Sonntag vor Heilig Abend. Sind die Festbiere schon ausgetrunken? Gibt es überhaupt lokale Bockbiere in den Gaststätten der Wagnermetropole? Ein ausgedehnter Spaziergang durch die Stadt sollte es ans Tageslicht bringen. Die wohl bierigste Gaststätte im Zentrum ist das Oskar. Das Wirtshaus am Markt, also quasi in der Maximillianstrasse führt alle Biere des Lokalmatadors Maisel und der verbundenen Aktienbrauerei. Auch die wunderbaren neuen Grossflaschen der Sonderreihe Maises & Friends, die wir hier schon an anderer Stelle vorgestellt haben. Saisonbier? Leider gefehlt. Die freundliche Kellnerin meinte es gäbe kein Weihnachts- oder Bockbier, sie könnte mir vielleicht Lebkuchen ins Bier bröckeln. Originell aber gefehlt. Mit dem Aktien-Zwickl im Tonkrug hatte ich dennoch einen guten Start in die Lokalrunde.

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Etwas weiter stadtauswärts, in der Richard Wagner Strasse kurz vor der eben generalüberholten Villa Wahnfried befand sich früher die Brauerei Schinner. Dort wo früher die Brauerei stand finden sich heute moderne Wohnungen. Einzig die Braugaststätte und ein kleiner Getränkemarkt in Form einer großen Garage erinnern noch an die Brauerei.

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Ach ja, die Biere der Familie Schinner natürlich auch, die dort ausgeschenkt und verkauft werden. Diese werden nämlich auch ohne eigene Brauerei weiterhin gebraut: Allerdings in der Brauerei Veldenstein in Neuhaus/Pegnitz. Für die Festzeit hat man das Markator eingebraut, ein dunkles Starkbier mit 7,2 % Alkohol. Sehr malzig aber im Gesamtbild ein gut abgerundetes Bier.

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Direkt durch den Hofgarten auf die andere Seite des Schlosses und man ist in der Friedrichsstrasse. Das Mannsbräu war früher auch mal eine Gaststätte und Brauerei der Gebrüder Mann, mittlerweile aber geführt von Hans Hacker, dem Senior der Becher Brauerei. Dort braut er auch gemeinsam mit seinem Sohn wieder das Mannsbräu. Nicht nur der süffige Bock hat es mir angetan. Seine Frau hat auch einen Likör mit Bier und weihnachtlichen Gewürzen angesetzt, der von seinem Gehalt wohl eher den Begriff Schnaps verdienen würd. Im kleinen Glas mit einer Haube Sahne wirkt es wie ein Zwergenbier. Der Chef war etwas mürrisch, daß ich es gewagt habe nur ein kleines Bier zu trinken („In Franken sind große Gläser üblich“), sein grantlerter Charme macht aber das Flair dieses traditionellen fränkischen Wirtshauses aus. Ich mag das. Und hab ihm zum Fleiss gleich noch ein kleines Bier bestellt.

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Wenn die schon vom Becher-Bock sprechen (der Wirt meinte, der Bock seines Sohnes sei besser), dann will ich den natürlich auch probieren, und etwa 35 Gehminuten weiter war es dann soweit. Die Altstadt in Bayreuth ist übrigens nicht die alte Innenstadt, sondern eine Gegend etwas ausserhalb. Dort – in der Sankt Nikolaus Strasse – findet sich das Brauhaus Becher. Und ja, davor steht ein Riesenschirm der Maisel Brauerei, aber dessen Weissbier wird hier auch ausgeschenkt.

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Von aussen ein neues modernes Brauhaus, innendrinnen eine alte traditionelle Gaststube mit abgesessenen Möbeln und einem Oberthekenkühlgerät, aus dem die von Johnny Hacker hier gebrauten Biere ausgeschenkt werden. Kommen neue Gäste rein, klopfen sie erstmals alle Tische ab. Ist hier so Tradition: Man schüttelt sich nicht die Hände, man klopft anerkennend auf die Tische. Beim Kommen und beim Gehen.

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Und es wurde auch der erwähnte Becher Bock ausgeschenkt. Gezapft und gebracht von Courtney, der amerikanischen Gattin des Brauers. Traditionell kann hier auch gespeist werden, viele Arbeiter starten hier herinnen in ihren Weihnachtsurlaub. Diskussionen drehen sich auch um Bier und es wird emotionsgeladen über das Reinheitsgebot diskutiert. Ob denn das bayerische noch strenger sei als das deutsche? Und das Bockbier gar nicht so gut sei, weil man durch den vielen Alkohol den Charakter des Bieres nicht mehr schmecke. Davon lass ich mich nicht abhalten und geniesse.

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Das Glenk Bräu soll laut Karte ja gleich in der Nähe sein, die Website sah vielversprechend aus, leider war die Realität dann genau das Gegenteil vom Internetauftritt. Das Web sagte mir „Seite im Aufbau“, der Lokalaugenschein zeigte aber „Brauerei bereits abgebaut“. Am Standort entsteht gerade eine Seniorenresidenz, die immerhin noch mit dem Namen Gambrinus Residenz an das Brauergewerbe erinnert.

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Der Glenk Biergarten vis a vis wird im Sommer noch bewirtschaftet, das Bier allerdings bei Stöckl in Hintergereuth gebraut. Und das bringt mich dann zur eigentlichen Enttäuschung meiner Bierwanderung: Zurück im Zentrum von Bayreuth entdeckte ich noch eine interessant anmutende Gaststätte, die mich mit eben diesem Stöckl Bier neugierig machte. Brauerei Bauernwärtla steht in alten Lettern gr0ß über den verdunkelten Fenstern, nach ein paar Bockbieren fasse ich trotzdem den Mut einzutreten. Obskure Gestalten in – naja – wollen wir das Interieur einfach kuriose Dekoration nennen. Bockbier? „Nein, leider! Aber wir haben ein Weihnachtsfestbier!“

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Irgendwie hätte ich mir aus der Jukebox hier Songs wie „Es gibt kein Bier auf Hawai“ oder Legenden des deutschen Countryrocks erwartet. Die trostlose Stille, die trotz der vier anwesenden Gäste (oder Wirtsleute?) herrscht wird heute jedoch nur durch temporäre Bleep und Blong-Geräusche aus den Spielautomaten unterbrochen.

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Das Festbier hat laut Etikett nur 5,1 % Alkohol, wirkt aber dennoch voller und stinkt nach all den Bockbieren gar nicht sonderlich ab. Das Lokal leider schon. Da ich die Zeche ohnehin sofort beglichen hab, nutz ich die erste Gelegenheit, da die 4 Personen hinaus rauchen gehen und verschwinde unauffällig.

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In einem Supermarkt finde ich übrigens dann doch noch ein Bockbier aus dem lokalen Braukombinat Maisel/Aktien/Brauhaus Bayreuth. Damit wären alle Punkte abgehakt. Oder?

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Für den Freund gehobener Gastronomiekultur ist die größte heimische Gastronomiefachmesse GAST in Salzburg der blanke Horror. 5 Tage lang werden kurz vor der so wichtigen Wintersaison alle Neuheiten präsentiert. Weil aber auch nirgendwo die Breite des österreichischen Biergeschäftes so konzentriert gezeigt wird, hab auch ich mir wieder diese Messe angetan. Ausgerechnet am besucherstärksten Tag. Der Versuch einer Beschreibung, bevor ich es wieder verdrängen mag:

Für die Messe bleibt mir heuer nur ein Tag, es ist der Montag – für die GAST ist das der besucherstärkste Tag. Viele Gastronomen und Hoteliers nützen den ruhigen Montag nach ihrem Wochenendgeschäft um nach Salzburg zu fahren. Immer öfter erlebe ich, daß sich hier nicht nur die Aussteller präsentieren, sondern auch die Wirte. Oft mit einem Tross aus Stammgästen angereist, denen Alkohol bis zum umfallen versprochen wird, zeigt man hier seine Bedeutung vor den Lieferanten.

Schon im frühen Zug von Wien nach Salzburg entdecke ich die ersten Messebesucher. Im Bistrobereich der Westbahn sitzen die beiden Herren um 6.50 Uhr morgens und essen ihr Schnitzel mit Kartoffelsalat, begleitet von 2 Flaschen Bier (alles selbst mitgebracht, wohlgemerkt). Ich entnehme ihrem Gelalle sowas wie eine Messeplanung, die immer dann etwas lauter wird, wenn der Ärger entfläucht, daß Bacardi auf der GAST nicht vertreten ist. Das Ziel der beiden Herren für den Montag ist offensichtlich: Den Spiegel zu halten und am abend wieder irgendwie den Bahnhof finden.

Am Bahnhof in Salzburg ist es dann ziemlich schwierig, öffentlich zum Messegelände zu kommen. Die O-Buslinie 1 fährt in 10 min Intervallen zur Messe, für den aktuellen Andrang ist dies viel zu wenig. In der Warteschlange dreht sich auch hier fast alles um ein Thema: Wo geht man am besten zum saufen hin, die Wörter „trinken, verkosten, probieren oder gustieren“ haben hier offensichtlich kaum was zu suchen.

Auch wenn mein Hauptinteresse den Bieren hier gilt, streife ich am Vormittag vor allem auf der Suche nach anderwertigen Neuheiten, mit einem Focus auf Bio durch die Hallen. Ausser den feinen neuen Bio-Chips von BioArt im BioParadies Salzburg und einem Stand der Fairtrade-Organisation ist aber nur wenig organisches präsent. Immerhin treffe ich dann Robert „Kaiser Robert Heinrich“ Palfrader, als Werbeträger der Frittenbude 11er macht er hier gute Miene zum bösen Spiel. Im Gegensatz zu den Vertretern der Frittierware gelingt ihm als Schauspieler die fröhliche Mimik. Den anderen beiden geht es offensichtlich wie den Fussballtorhütern vor Gleichnamigen.

(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik

(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik

Etwas später traute ich mich dann endlich zu den Bierständen. Mit dem Florian Pils der Brauerei Schnaitl zu starten kann sicher nicht schaden, auch der Mai- und der Festbock konnten mich in Probier-Mengen erfreuen. So richtig turbulent ging es schon zu Mittag auf den Ständen der großen heimischen Brauereien zu. Die österreichische Brau Union hat ihren Riesenstand nach Marken gegliedert – Heineken, Zipfer, Gösser, Desperados – und alleine die Anzahl ihrer Bierversilberer würde kleinere Hallen füllen. Für besonders wichtige Gäste und die Führungsmannschaft des heimischen Heineken-Ablegers gab es einen ersten Stock. Für diesen war ich nicht wichtig genug – immerhin hat man mir ein Bier von oben gebracht. Denn nur im exklusiven Bereich gab es das „Maroni Style“ Bier von Günther Seeleitner aus dem Braugasthof in Kaltenhausen. Etwas wenig Maroni für meinen Geschmack, aber nach einem starken Edelweiss Gamsbock stinkt auch mal das beste Gourmetbier trotz seiner 6,9 % Alkohol ab. Immerhin weiss ich nun wie die heimische Bierkultur aussieht:

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Die wirklichen Spezialitäten, also die Lieblingsbiere der Braumeister, werden hier nicht wirklich publikumswirksam präsentiert, oder nur auf Nachfrage unter der Bude gereicht. Für das Klientel der Messebesucher setzt man auf die bekannten, großen Marken – „Biere, die nicht wehtun“, wie mir ein Biervertreter des Marktführers kundtat. Aber wenn man genau hinsieht, dann findet man sie ja doch:  Das IPA oder das Honigbier (welches sich auch durchaus Honigbock nennen könnte) der Rieder Brauerei, den im Cherryfass gereiften Ganderbock aus dem Zillertal, das holzfassgereifte Trumer Bier oder den schon erwähnten Maibock von Matthias Schnaitl aus Gundertshausen.

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Das Thema Craftbeer ist auch hier angekommen. Getränkehändler wollen mit diesem Thema punkten, vielleicht auch die eine oder andere Anfrage von interessierten Kunden befriedigen. So vertreibt die Tiroler Firma Morandell mit ihrem österreichweiten Logistiknetz auch die Produkte des Osttiroler Importeurs Heinrich Wibmer. Das sagt jetzt nicht jedem was, aber in anderen Worten: So finden zum Beispiel schottische Brewdog Biere auch den Weg in die österreichische Gastronomie. In den Kühlschränken am Messestand fand sich sogar Abstrakt.

Verstärkt auf die Craftbeer-Szene setzt auch Kolarik & Leeb, eine Tochter Firma der Ottakringer Brauerei. Letztere hatte ja schon mit den Kleinbrauern im Rahmen ihrer Braukulturwochen im letzten Sommer aufhorchen lassen. Aus diesen Reihen kommen auch die meisten neuen Craftbiere, die auch auf der Messe präsentiert wurden: Eine Auswahl an Gusswerk-Bieren, das Sortiment des Kremser Brauschneiders und die auffällig etikettierten Bevog-Biere der slowenischen Brauer aus Bad Radkersburg.

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Karl Kolarik, auch als Schweizerhaus-Besitzer sowas wie eine Bierlegende, vertreibt nun auch Horny Betty vom Brauhaus Gusswerk.

Zum Abschluss wollte ich nochmal etwas mehr über die Hausbiere von Stiegl erfahren, Spezialitätenbraumeister Markus Trinker war aber an dem Tag leider nicht zugegen und bei dem Trinkerandrang war dann irgendwie auch keine richtige Fachgesprächstimmung mehr gegeben.

So bin ich dann nach 8 Stunden Messe bereits 30 Minuten vor Messeschluss zum Bahnhof. Der Zug war im Gegensatz zur Hinfahrt beinahe leer. Offensichtlich haben viele der Messe-Aussaufer den Weg nicht mehr gefunden.

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Da beschäftigt man sich schon so lange mit Bier und dessen Geschichte und dann entdeckt man eine regionale Tradition eigentlich nur zufällig. Es war wieder einmal die Diskussion über den Begriff Zwickl. Diesmal wollte man mir weiss machen, daß es sich um eine Ableitung des obepfälzischen Zoigl handelt.

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Ich war etwas baff, denn die Herkunft des Wortes Zwickl ist mir wohlbekannt. Von meiner Geschichtsinterpretation des Zwicklhahnes, der eben mit dem Zwickl, also der kleinen Münze, geöffnet wurde, rücke ich mit Sicherheit auch nicht mehr ab. Vielmehr überraschte mich, vom eigentlichen Zoigl noch nie gehört zu haben, dann dabei offenbarte sich tolle regionale Biergeschichte, die zum Teil bis heute fortgeführt wird.

Der Zoigl ist ein sogenanntes Kommunenbräu, traditionell verhaftet in der nördlichen Oberpfalz. Recht nah am benachbarten Oberfranken, einer Region die ohnehin für ihre Braukultur und -vielfalt bekannt ist. Der Zoigl ist ein untergäriges Bier, das nach althergebrachter Weise gebraut wird. Zumeist hell, manchmal aber auch dunkel – aber immer unfiltriert – also auch ein sogenanntes Zwickl. In offener Sudpfanne über einem Holzfeuer wird die Maische – das Gemisch aus Wasser und Gerstenmalz – zuerst gekocht, dann gehopft und so als Würze nochmals erhitzt. Im Keller wird dieser Sud in großen Behältnissen gelagert, die Hefe verrichtet nun Ihre Arbeit verrichtet. Nach etwa 10 Tagen Gärungszeit wird das Zoiglbier in die Fässer abgefüllt, in denen es noch mehrere Wochen ausreifen muß.
Obwohl immer das gleiche Brauverfahren angewendet wird, schmeckt jeder Zoigl anders, denn jeder Brauer hat sein eigenes Rezept, nach dem das Verhältnis der Zutaten bestimmt wird. Doch sogar bei ein und demselben Zoiglwirt kann es von Mal zu Mal Unterschiede geben.

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Gebraut wird der Zoigl im Kommunbrauhaus welches von den brauenden Bürgern  finanziert und erhalten wird. Dafür muß jedes Mitglied in diesem vereinsähnlichen Zusammenschluß das Kesselgeld, eine Art Mitgliedsbeitrag, zahlen.
Das Zoiglbraurecht geht in vielen Kommunen bis ins frühe 15.Jahrhundert zurück. Damals erhielten alle Hausbesitzer das Recht, selbst zu brauen und auszuschenken. Das Braurecht bleibt stets fest mit Haus und Grundstück verbunden und ist auch heute noch im Grundbuch eingetragen.

Der sechseckige Stern, der ähnlich wie der Buschen bei österreichischen Heurigen, die Zoiglausschank signalisiert gilt als Symbol für das Zoigl und wurde darüber hinaus zum Zunftabzeichen deutscher Brauer. Die oberen Zacken signalisieren Hopfen, Wasser und Malz – die unteren Stehen für die Elemente Luft, Feuer und (ebenfalls wieder) Wasser.

Oftmals, wie zum Beispiel beim Schafferhof in Neuhaus wirkt das Auftreten der kommunalen Zoiglstuben schon sehr professionell. Mit Website, Facebook-Präsenz und großen Kulturveranstaltungen. In manchen Fällen blieb es aber auch einfach bei ein paar wenigen Bänken, die im Innenhof oder den Einfahrten von Privathäusern aufgestellt werden. Immer aber hängt der Stern aus den 2 gleichseitigen Dreiecken vor der Tür.

Daß mittlerweile auch kommerzielle Brauereien den Begriff Zoigl auf ihre industriell produzierten und abgefüllten Flaschen etikettieren, erregt vielerorts schon die Gemüter. In der Kahrmühle in Pressath hab ich zum Beispiel das Zoiglbier der Püttner Bräu in Schlammersdorf getrunken. Es wirkte wie jedes andere Zwicklbier, viel klarer sogar und von der beim Zoigl üblichen geringeren Kohlensäure merkte ich nichts. Nun ist diese kleine lokale Brauerei sicher nicht das, was man sich heute als eine Industriebrauerei vorstellt, mit Sicherheit aber ist es keine Kommunenbrauerei, die in der Tradition des Zoigl entstanden ist. Sieht man sich das Sortiment der Schlammersdorfer Brauer an, liegt es hier auch nahe, daß man das unfiltrierte Bier des Hauses einfach Zoigl nannte.

Die Sendung „Quer“ des Bayrischen Rundfunk hat vor wenigen Monaten die Diskrepanz um den Zoigl thematisiert:

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Man möchte es nicht glauben. Plattenseeauf- und abwärts findet man fast nur noch Biere aus Industriebrauereien. So charmant die Labels auch aussehen, im Kleingedruckten steht dann doch irgendwo Heineken (wie zB beim Soproni) oder AB InBev (wie beim Borsodi).

Aber ähnlich dem kleinen gallischen Dorf in den Asterix Heften, hab ich noch einen Platz gefunden, wo es handwerklich gebrautes Bier gibt. Und ja – es schmeckte auch.

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Ich hab mich eigentlch für das Stari Premium Pils entschieden, mit seinen 5,4 % Alkohol für ein Pils schon sehr kräftig, aber doch auch mit einer sehr hopfigen Note. Mit 600 HUF (knapp über € 2) für 4 dl liegt das Bier aber dann etwas über den ungarischen Verhältnisse. Der 5 dl kosten zumeist um die 550 HUF.

Das Stari Plum ist ein mit 30 % Zwetschkensaft versetztes Bier, daß mir für einen Radler etwas zu bitter daherkommt. Mit 3,3 % Alc aber vielleicht eine erfrischende Alternative für die Radfahrer.

Die Brauerei selber dürft einem Gasthaus im nahen Tapolca angeschlossen sein, vielleicht ein Stopp auf meiner nächsten Radtour.

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Das Bisztro Malacrumpli liegt direkt am Radweg von Tihany am Stadtrand von Balatonfüred, dort wo die Stadt langsam dicht wird, nahe des Tesco-Kreisverkehrs. Die Räumlichkeiten waren früher wohl das Portal eines aufgelassenen Campingplatzes. Im Bistro wird täglich von 12-24.00 Essen aus regionalen, zumeist Bio-Produkten gekocht. Jeden Samstag findet am Gelände auch BioBalaton statt, ein Markt für handwerkliche und regionale Produkte aus großteils biologischem Anbau.

Brauerei/Gasthaus Stari in Tapolca/HUN

BioBalaton Blog

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Nicht umsonst von vielen als die Hauptstadt des Bieres – insbesondere der Biervielfalt benannt, bietet Brüssel dem Bierliebhaber wirklich viel. Von tollen Bierlokalen bis zu den kleinen Shops mit vielen hunderten Marken und Biersouvenirs.

brussel129Schon bei der Ankunft am Flughafen wird klar. Bier ist hier ein grosses Thema. Der Riesenbanner von InBev mit seinen 3 grossen belgischen Marken macht sogar schon morgens Durst, die kleine Imbissbar am Flughafen verkürzt den Wartenden oder noch nicht ganz gelandeten die Zeit mit 8 verschiedenen Fassbieren. Und damit meine ich nicht 8 verschiedene Marken, sondern tatsächlich 8 verschiedene Sorten … ja das gibts.

Um das bunte Treiben am Grande Place zu beobachten, empfiehlt es sich dann wirklich, in eines der völlig überteuerten Cafes zu setzen und bei einem wunderbaren Glas Bier die Seele baumeln zu lassen. Trotzdem überraschend, dass die Vielzahl der Gäste fast nur heimisches oder internationales Lager (also Jupiler oder Carlsberg trinkt). Touristen halt …. pääääh !!

brussel342Aber nur wenige Meter vom Hauptplatz in der entgegengesetzten Richtung vom pissenden Buben, den hier jeder fotografieren mag, liegt das interessanteste Biergeschäft, dass ich auf diesem Kontinent kennen lernen durfte.

Wenn man in die Rue de la Fourche einbiegt, sieht man schon die riesige Bierflasche an der Fassade hängen, deren Marke /Etikette auch alle Jahre ausgetauscht wird.

Brüssel262Der Name Beer Planet ist mit halben Bierflaschen wie ein Mosaik an der Wand zusammengesetzt. Tritt man ein, findet sich der Bierliebhaber aber nicht auf einem Planeten, sondern im Paradies. Nicht ganz überraschend, dass die riesige Auswahl fast nur belgische Biere beinhaltet, ein paar Exoten (wie das Kilikia aus Erewan/Armenien) sind im Geschäft immer zu finden. Die Preise sind normal, wenn man die Innenstadtlage berücksichtigt, viele Grossflaschen waren sogar noch billiger als im bis jetzt favorisiertem Bier-Tempel (Rue du Marché aux Herbes 56b) oder bei Beermania. Das Service und die Bedienung waren excellent, einer der beiden Shopbesitzer (dürften Araber sein) machte mit mir eine kleine Führung, um die Organisation der Regale und Sortierung nach Biertypen der über 600 verschiedenen Biere zu erklären. 

Wer wegen dieser Auswahl nicht gleich nach Brüssel fliegen möchte, kann online ein wenig gustieren, demnächst ist auch der europaweite Versand aller Biere möglich. Juhu !!!

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Asti, Adolf und ein Bier, von dem man glauben möchte, es hätte eine weite Reise getan. Das sind die Schlagwörter, die mir zu meinem letzten Aufenthalt in der kleinen italienischen Grenzstadt einfallen.

Ein Stop in Tarvis hat Tradition. Sei es um beim Kärnten Urlaub mal kurz über die Grenze fahren,  um „italienische Luft“ schnuppern oder auf der Heimfahrt vom Urlaub am Meer noch mal die letzten Lire am Tarviser Fetzenmarkt auszugeben. Die Grenze gibt es nur noch imaginär und die Lire sind auch schon lang weg. Richtig aufgefallen sind sie aber auch schon damals nicht, denn Preise waren als Anbiederung an Touristen immer schon in D-Mark angeschrieben.

Der beliebteste Einkaufsartikel deutscher und österreichischer Durchreisender war noch weit vor falschen Lederjacken und Billigschuhen der 6er Träger Asti Spumante. Damals unter 10 Mark für 6  x 0,7 lt. Flaschen. Es gibt Ihn heute noch vor jedem Shop gestapelt. Dass dieser gezuckerte und carbonisierte italienische Billigwein den Glykolskandal überlebt hat, grenzt an ein Wunder.

 

Zielgruppenspezifische Biervermarktung

Zielgruppenspezifische Biervermarktung

Ebenso wundert es mich, warum man auch heute noch Adolf Hitler-Bier in die Auslagen stellt und dieses scheinbar auch verkauft. Der Inhaber des Shops ist mir übrigens nachgelaufen und bestand darauf, dass ich meine Photos vor im wieder lösche, was offensichtlich nicht ganz gelungen ist. Armer irrer Italiener.

dsc_0386Für den über Markthintergründe nicht ganz so informierten Bierliebhaber mag es auch seltsam erscheinen, dass gerade hier in Tarvis, am Beginn des friulianischen Kanaltals sehr viel österreichische Bierwerbung zu sehen ist. Schladminger Bier an einem kleinen Tarviser Eissalon und ein Bier aus einer kleinen Niederösterreichischen Brauerei an jeder zweiten Pizzeria !

dsc_0380Vor wenigen Wochen noch bei einem ausgedehnten Spaziergang von Wiener Neustadt über Bad Vöslau nach Baden, der Kernregion des Piestinger Biers sah ich keine einzige Piestinger Bierreklame, dafür einige Wirte mit Villacher Bier. Seltsame Welt, oder ??? Der Hintergrund ist leicht erklärt: Im Jahr 2005 konnte die Firma Kosme den Brauereistandort in niederösterreichischen Piestingtal wirtschaftlich nicht mehr halten. Die komplette Produktionsanlage wurde ins Ausland verkauft. Den Standort kaufte gemeinsam mit den Markenrechten die Vereinigten Kärntner Brauereien. Seitdem wird der Standort Im Markt Piesting als Logistikzentrum der Villacher für den Ostösterreichischen Markt genutzt, die Traditionsmarke Piestinger Bier jedoch in Kärnten gebraut.

Von dort ist es nicht mehr sehr weit nach Tarvis.

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