St.ERHARD – Ein Marketingbier aus Franken?

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Fränkisches Bier ist etwas ganz besonderes. Nirgendwo in der Welt ist die Brauereidichte noch so groß und kann sich beständig gegen die Brauriesen behaupten. Sicherlich liegt das auch am Stolz der Franken auf ihr Bier. Als am letzten Wochenende in Bayreuth bei einer Großveranstaltung über die gesamte Innenstadt das Bier des Sponsors Radeberger ausgeschenkt wurde, blieben die Bierstände ziemlich unterlaufen. Angestammte Gaststätten am Rande des Marktplatzes machten mit ihren Kühlgeräten im Biergarten jedoch das große Geschäft.

Was aber auch auffällt: Die vielen kleinen, teilweise noch dörflich und in Kommunen strukturierten Brauer konzentrieren sich voll auf das Bier. Und pfeiffen vollkommen auf so Dinge wie Kommunikation und Marketing. Die Gewissheit, daß man in der Region ohnehin dieses Bier trinkt, lässt dann leicht auf innovative Flaschendesigns oder moderne Etikettengestaltung verzichten. Brauchen die meisten ja auch nicht, und in die überregionalen Regale der Supermarktketten will bzw kommen diese kleinen, lokalen Brauereien ohnehin nicht.

Aber jetzt mal ehrlich – und diese Frage richtet sich nun mal vor allem an gewöhnliche Biertrinker ausserhalb Frankens: Welche fränkischen Biermarken kennen sie? Ich habe diese Frage insgesamt 30 Menschen in München, Berlin, Linz und Wien gestellt. Ein Drittel der Befragten (im Rahmen von Bierveranstaltungen) nannten das Schlenkerla (Bamberg), zwei Nennungen gab es jeweils für Maisel (Bayreuth) und Tucher (Nürnberg). Der Rest war falsch (zB Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz). Überraschend viele Befragte erwischte ich bei der Überlegung, welche Fußballvereine es denn dort gäbe und was auf deren Dressen denn stehe.

Ganz anders kommt da plötzlich eine Biermarke daher, die ich in einem flotten Geschenkkarton mit 2 kleinen Flaschen und einem gebrandetem Glas zum Geburtstag geschenkt bekommen habe: St.ERHARD.

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Das erste was mir auf der Website des Bieres auffällt, ist der Kommentar „Bekannt aus FINANCIAL TIMES, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, SPIEGELONLINE, THE HINDU“. Die Website besticht auch durch die Sprachauswahl und natürlich das Design. St.Erhard ist ein 2011 gegründetes StartUp und möchte eine internationale deutsche Biermarke aufbauen. Das Bier lässt man in       in der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf, fast 30 km ausserhalb von Bamberg brauen, die Entwicklung der Marke kann man auch auf dem eigenen Blog Beerpreneur verfolgen.

Mittlerweile hat Gründer und Geschäftsführer Christian Klemenz auch das Einzelhandelskonzept Bierothek an den Start gebracht. Nach dem Standort Nürnberg werden demnächst 2 weitere Filialen (u.a. auch in Erlangen) eröffnet. Was uns sehr überrascht: Das Bier wird als Kellerbier bezeichnet, meines Erachtens ein unfiltriertes Bier, das also auch besonders empfindlich ist. Bei genauen Hinsehen entdecke ich aber jetzt: Es ist ein „filtriertes Kellerbier“, also dann eh genauso wie jedes andere normale Lagerbier. Anders könnte dieses Produkt aber auch nicht in einer weissen (!!) klaren Flasche den Transport und die lange Lagerfähigkeit (meine Flaschen halten lt bedrucktem Kronkork noch 6 Monate) bestehen.

Die klare Flasche verwirrt mich auch ein wenig, der Farbton des Bieres geht von Bernstein fasst ins kirschige hinein. Und weil das Auge ja quasi mittrinkt, habe ich beim ersten Antrunk fast das Gefühl eines englischen Shandys, also eines fruchtigen Radlers. Aber es ist ein anständiges Bier und es macht Spass. Und davon soll die ganze Welt profitieren, meinen die Gründer. Das Bier wird laut Flaschentext „in alle Welt“ exportiert, besonders Indien gilt als Zielmarkt.

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Marketing und Design kann ein Impuls sein für die fränkische Bierwelt, für mich persönlich sollten solche Biere weiterhin in 0,5 lt Flaschen gefüllt werden. Und das ist ein Kompliment für St.Erhard, denn 0,33 lt ist einfach zuwenig für ein gutes, süffiges Bier.

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