Neulich in Salzburg: Heute saufen wir die Messe leer

Für den Freund gehobener Gastronomiekultur ist die größte heimische Gastronomiefachmesse GAST in Salzburg der blanke Horror. 5 Tage lang werden kurz vor der so wichtigen Wintersaison alle Neuheiten präsentiert. Weil aber auch nirgendwo die Breite des österreichischen Biergeschäftes so konzentriert gezeigt wird, hab auch ich mir wieder diese Messe angetan. Ausgerechnet am besucherstärksten Tag. Der Versuch einer Beschreibung, bevor ich es wieder verdrängen mag:

Für die Messe bleibt mir heuer nur ein Tag, es ist der Montag – für die GAST ist das der besucherstärkste Tag. Viele Gastronomen und Hoteliers nützen den ruhigen Montag nach ihrem Wochenendgeschäft um nach Salzburg zu fahren. Immer öfter erlebe ich, daß sich hier nicht nur die Aussteller präsentieren, sondern auch die Wirte. Oft mit einem Tross aus Stammgästen angereist, denen Alkohol bis zum umfallen versprochen wird, zeigt man hier seine Bedeutung vor den Lieferanten.

Schon im frühen Zug von Wien nach Salzburg entdecke ich die ersten Messebesucher. Im Bistrobereich der Westbahn sitzen die beiden Herren um 6.50 Uhr morgens und essen ihr Schnitzel mit Kartoffelsalat, begleitet von 2 Flaschen Bier (alles selbst mitgebracht, wohlgemerkt). Ich entnehme ihrem Gelalle sowas wie eine Messeplanung, die immer dann etwas lauter wird, wenn der Ärger entfläucht, daß Bacardi auf der GAST nicht vertreten ist. Das Ziel der beiden Herren für den Montag ist offensichtlich: Den Spiegel zu halten und am abend wieder irgendwie den Bahnhof finden.

Am Bahnhof in Salzburg ist es dann ziemlich schwierig, öffentlich zum Messegelände zu kommen. Die O-Buslinie 1 fährt in 10 min Intervallen zur Messe, für den aktuellen Andrang ist dies viel zu wenig. In der Warteschlange dreht sich auch hier fast alles um ein Thema: Wo geht man am besten zum saufen hin, die Wörter „trinken, verkosten, probieren oder gustieren“ haben hier offensichtlich kaum was zu suchen.

Auch wenn mein Hauptinteresse den Bieren hier gilt, streife ich am Vormittag vor allem auf der Suche nach anderwertigen Neuheiten, mit einem Focus auf Bio durch die Hallen. Ausser den feinen neuen Bio-Chips von BioArt im BioParadies Salzburg und einem Stand der Fairtrade-Organisation ist aber nur wenig organisches präsent. Immerhin treffe ich dann Robert „Kaiser Robert Heinrich“ Palfrader, als Werbeträger der Frittenbude 11er macht er hier gute Miene zum bösen Spiel. Im Gegensatz zu den Vertretern der Frittierware gelingt ihm als Schauspieler die fröhliche Mimik. Den anderen beiden geht es offensichtlich wie den Fussballtorhütern vor Gleichnamigen.

(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik
(c) Reed Exhibitions Salzburg / Andreas Kolarik

Etwas später traute ich mich dann endlich zu den Bierständen. Mit dem Florian Pils der Brauerei Schnaitl zu starten kann sicher nicht schaden, auch der Mai- und der Festbock konnten mich in Probier-Mengen erfreuen. So richtig turbulent ging es schon zu Mittag auf den Ständen der großen heimischen Brauereien zu. Die österreichische Brau Union hat ihren Riesenstand nach Marken gegliedert – Heineken, Zipfer, Gösser, Desperados – und alleine die Anzahl ihrer Bierversilberer würde kleinere Hallen füllen. Für besonders wichtige Gäste und die Führungsmannschaft des heimischen Heineken-Ablegers gab es einen ersten Stock. Für diesen war ich nicht wichtig genug – immerhin hat man mir ein Bier von oben gebracht. Denn nur im exklusiven Bereich gab es das „Maroni Style“ Bier von Günther Seeleitner aus dem Braugasthof in Kaltenhausen. Etwas wenig Maroni für meinen Geschmack, aber nach einem starken Edelweiss Gamsbock stinkt auch mal das beste Gourmetbier trotz seiner 6,9 % Alkohol ab. Immerhin weiss ich nun wie die heimische Bierkultur aussieht:

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Die wirklichen Spezialitäten, also die Lieblingsbiere der Braumeister, werden hier nicht wirklich publikumswirksam präsentiert, oder nur auf Nachfrage unter der Bude gereicht. Für das Klientel der Messebesucher setzt man auf die bekannten, großen Marken – „Biere, die nicht wehtun“, wie mir ein Biervertreter des Marktführers kundtat. Aber wenn man genau hinsieht, dann findet man sie ja doch:  Das IPA oder das Honigbier (welches sich auch durchaus Honigbock nennen könnte) der Rieder Brauerei, den im Cherryfass gereiften Ganderbock aus dem Zillertal, das holzfassgereifte Trumer Bier oder den schon erwähnten Maibock von Matthias Schnaitl aus Gundertshausen.

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Das Thema Craftbeer ist auch hier angekommen. Getränkehändler wollen mit diesem Thema punkten, vielleicht auch die eine oder andere Anfrage von interessierten Kunden befriedigen. So vertreibt die Tiroler Firma Morandell mit ihrem österreichweiten Logistiknetz auch die Produkte des Osttiroler Importeurs Heinrich Wibmer. Das sagt jetzt nicht jedem was, aber in anderen Worten: So finden zum Beispiel schottische Brewdog Biere auch den Weg in die österreichische Gastronomie. In den Kühlschränken am Messestand fand sich sogar Abstrakt.

Verstärkt auf die Craftbeer-Szene setzt auch Kolarik & Leeb, eine Tochter Firma der Ottakringer Brauerei. Letztere hatte ja schon mit den Kleinbrauern im Rahmen ihrer Braukulturwochen im letzten Sommer aufhorchen lassen. Aus diesen Reihen kommen auch die meisten neuen Craftbiere, die auch auf der Messe präsentiert wurden: Eine Auswahl an Gusswerk-Bieren, das Sortiment des Kremser Brauschneiders und die auffällig etikettierten Bevog-Biere der slowenischen Brauer aus Bad Radkersburg.

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Karl Kolarik, auch als Schweizerhaus-Besitzer sowas wie eine Bierlegende, vertreibt nun auch Horny Betty vom Brauhaus Gusswerk.

Zum Abschluss wollte ich nochmal etwas mehr über die Hausbiere von Stiegl erfahren, Spezialitätenbraumeister Markus Trinker war aber an dem Tag leider nicht zugegen und bei dem Trinkerandrang war dann irgendwie auch keine richtige Fachgesprächstimmung mehr gegeben.

So bin ich dann nach 8 Stunden Messe bereits 30 Minuten vor Messeschluss zum Bahnhof. Der Zug war im Gegensatz zur Hinfahrt beinahe leer. Offensichtlich haben viele der Messe-Aussaufer den Weg nicht mehr gefunden.

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2 Kommentare

  1. Auch ich war auf der Messe am Montag unterwegs. Ich konnte aber bei den Brauereien (welche ich im Visier hatte) überall „Spezialitäten“ verkosten. Neben den genannten waren dies noch: Brauerei Schoss Eggenberg (BierPur Edition 2013 – Samichlaus Holzfassgereift), Schönramer (IPA, Bavaria Ale, Imperial Porter), Maibock beim Mathias Schnaitl, Kürbiskernbier bei der Rieder Brauerei und im Anschluß an die Messe, einen Bock der Weissen, wo wir zu Abend gegessen haben. Vom Corona auf gleichnamiger Party war ich nicht sehr angetan. Leider gab es keine „bierige“ Alternative.

    Ansonsten schließe ich mich der Meinung des Autors an, dass es auf dieser Messe eher schwierig ist, den Spezialitäten-Bierverwöhnten Gaumen zu befriedigen, aber dafür gibt es ja zum Glück entsprechende Veranstaltungen.

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