Die Effizienz maximieren ? Achso. Aus wirtschaftlicher Sicht heisst das also die bestehenden Kosten zu senken und dadurch den Gewinn zu steigern. Braukulturell bedeutet es, dass wiederum eine Brauerei vulgo ein Braustandort verloren geht. Und dabei geht es nicht nur um 31 Arbeitsplätze.
Der finnische Biermarkt war über Jahrzehnte durch staatliche Regulierungen gelenkt. Die beiden absoluten Marktführer Hartwall (Lapin Kulta) und Sinebrychoff (Koff) teilten sich den Kuchen, zudem hinter den beiden Firmenkonglomeraten ein und dieselbe Finanzgesellschaft stand. Als die Alkoholgesetze in Finnland laut EU-Norm etwas nivelliert wurden und der Standort Finnland für internationale Braukonzerne auf Grund zur Nähe des potenten russischen und baltischen Biermarktes interessant wurde, verschoben sich die Kräfte laufend.
Zunächst wurde Sinebrychoff von Carlsberg übernommen, dort wo in Bars früher aus 3 Zapfsäulen KOFF geflossen ist, waren plötzlich 2 davon in Carlsberg-Grün. Die Finnischen Biertrinker wichen immer mehr auf die Zweitmarke der Sinebrychoff Brauerei aus, dem Karhu Bier aus der kleineren Brauerei in Pori an der Westküste. Karhu (=Bär) entwickelte sich zum beliebtesten Bier der Finnen.
Der Mitbewerb Hartwall gründete mit Carlsberg die operative Interessensgemeinschaft BBH (Baltic Beverage Holding) um gemeinsam den russischen Markt zu forcieren. Die Familie Hartwall verkaufte jedoch vor wenigen Jahren den Grossteil Ihrer Anteil an die britische Scotish & Newcastle. Seitdem dieses Unternehmen widerum Ihre Biergeschäfte verkaufte bzw aufteilte, gehört Hartwall zum holländischen Heineken- Imperium.

Hier wird demnächst wohl nicht mehr gebraut werden
Um in diesem grossen Rennen um die Gunst der finnischen Biertrinker fit zu bleiben, muss also Effizienz maximiert werden. Man konzentriert sich zunehmend auf einzelne, sehr grosse Standorte. Hartwall verlagerte vor wenigen Jahren die komplette Logistik und einen Grossteil des Brauwesens nach Lahti, Sinebrychoff will nun noch mehr im Hauptwerk Kerava (nahe Helsinki) konzentrieren. Carlsberg hat sich somit entschlossen, den traditionellen Braustandort Pori, Heimat des beliebten Karhu-Bieres und Arbeitsplatz für 31 Menschen aufzugeben.
Ob das stolze Label am Flaschenhals (Porin Olut = Bier aus Pori) in Zukunft auch noch aufgeleimt wird, bleibt offen. Andererseits … wen interessiert schon wirklich wo zB Piestinger-, Pittinger-, oder Golser-Bier trotz der Ortsnamenirritierung tatsächlich gebraut werden.